Auktion 290: Freundschaften - Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 11.9.2026
2 Pablo Picasso Málaga 1881–1973 Mougins La famille de saltimbanques au macaque Paris, wohl Ende 1905. Kaltnadel auf Zink, auf Arches-Bütten mit Wasserzeichen. 23,6×17,8 cm, Plattenkante; 44×30,5 cm, Blattgrö- sse.Untenrechts inTintedediziertundsigniert«AtoiGuillaume/Apol- linaire/Picasso». Prachtvoller Druck vor der Verstählung der Platte, mit breitem Papierrand. Die noch nicht facettierte Platte schlägt im Oberrand leicht durch. Wenige Fleckchen im Papier. Schätzung CHF 75000 * Werkverzeichnisse Geiser/Baer 13/a (v. c), dort genanntes Exemplar Bloch 11 Provenienz Geschenk des Künstlers an Slg. Guillaume Apollinaire, Paris Neue Galerie O.[tto] Feldmann, Berlin, dort vor 1914 erworben von Slg. Heinrich Stinnes, Köln, unten links mit dem Sammlerstempel, Lugt 4436, versteigert bei Auktion Hollstein & Puppel, Berlin, 10. und 11. November 1936, Los 914 angekauft vom Kupferstichkabinett Berlin für Slg. Prof. Dr. Jakob Rosenberg (1893–1980), Berlin/Cambridge Privatsammlung Japan Galerie Garando, Nagoya Auktion Galerie Kornfeld & Cie., Bern, 21. Juni 1996, Los 101 Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, auf der Rückseite mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b Ausstellung Spiez 2015, Schloss Spiez, Pablo Picasso, Von Gauklern, Frauen und Stierkämpfen, ohne Kat. Das Blatt wurde wahrscheinlich im Dezember 1905 von Eugène Delâtre in Paris gedruckt und an Guillaume Apollinaire, Picassos engen Freund und Mitstreiter, dediziert. Dieser hiess mit bürger lichem Namen Wilhelm Albert Włodzimierz Apolinary de Waz- Kostrowicki (1880–1918), war der Sohn einer Polin und eines itali- enischen Adligen und machte als Essayist später die Kubisten bekannt. In Lyrik, Prosa und Drama entwickelte er vor André Breton den surrealistischen Stil. Seit 1904 gehörte er zumengen Freundes kreis von Picasso. Nach 1914 nahmer amKrieg teil, wurde verwun- det und starb am Waffenstillstandstag im November 1918 in Paris. Apollinaire besass wahrscheinlich eine komplette Reihe aller fünf- zehn Blätter der zwischen 1904 und 1905 entstandenen Folge «Saltimbanques», die alle dediziert sind. Noch vor 1914 trennte er sich davon. Danach tauchten sie teilweise 1914 in der Neuen Gale- rie von Otto Feldmann in Berlin auf. Feldmann hatte über Alfred Flechtheim Kontakte zu Daniel-Henry Kahnweiler in Paris, der ihm Werke von französischen Künstlern in Kommission überliess. So war Feldmanns zweite Berliner Ausstellung Ende 1913 ganz Pablo Picasso gewidmet und trug den Titel «Picasso – Negerplastik». Im selben Jahr wurden die Blätter der Folge von Heinrich Stinnes in Köln erworben. Die vorliegende Darstellung ist die seltenste aus der Folge «Saltim banques». Die Verstählung der Platte im Hinblick auf die Auflage von Ambroise Vollard im Jahr 1913 misslang: Die Platte wurde so stark fleckig, dass die Drucke nach der Verstählung wie verätzt aussahen. Aus diesemGrund brachte Vollard die Auflage nach der Verstählung der Platte nicht in den Handel und zerstörte den gröss- ten Teil. Drucke vor der Verstählung sind die einzigen, welche die Komposition in der ursprünglich gewünschten Formwiedergeben. Brigitte Baer erwähnt lediglich «une dizaine d’épreuves» vor der Verstählung und führt das vorliegende Exemplar namentlich auf.
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