Auktion 290: Freundschaften - Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 11.9.2026
1911. Gouache und Sepia, mit Gold- und Silberhöhungen, auf quadriertem, dünnem Papier, rückseitig mit zwei Sepia-Skizzen «Deux scènes: Esquisses pour la résurrection de Lazare et Le bain de l’enfant à la campagne». 9,7×22 cm. Unten rechts vom Künstler in Tinte datiert und signiert «1911/Marc Chagall», oben rechts erneut datiert «1911». Datum und Signatur wurden jedoch nach- träglich angebracht, vermutlich in den 1950er-Jahren. Das Papier gebräunt, mit Lichtrand. Einzelne Farbverluste im Weiss, Spuren alter Montierungen. In guter Gesamterhaltung. Schätzung CHF 80000 * Werkverzeichnis Echtheitsbestätigung (Nr. 2026031) des Comité Marc Chagall, Paris, datiert vom 29. April 2026, liegt vor Provenienz Slg. Theodor Däubler (1876–1934), Berlin Otto Stangl, München, dort 1956 angekauft von Klipstein & Kornfeld, dort 1956 angekauft von Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern Literatur Franz Meyer, Marc Chagall, Leben und Werk, Köln 1961, Nr. 131 Ausstellung Bern 1960, Klipstein & Kornfeld, Marc Chagall, Kat. Nr. 2 Nach seinen Ausbildungsjahren in Sankt Petersburg sehnte sichMarc Chagall danach, seine Kunst in Paris weiterzuentwickeln und neue Inspirationsquellen in den reichhaltigenMuseumssammlungen, den bedeutenden Galerien und in der Konfrontation mit den Avantgardekünstlern zu suchen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf zweier Bilder und einem kleinen Stipendium seines Gönners MaximWinawer konnte er schliesslich 1911 über Berlin nach Frankreich reisen. Er bezog sein erstes Atelier in der Impasse du Maine (heute Rue Antoine Bourdelle), nahe der Gare Montparnasse. Dort entstand auch das vorliegende Blatt. «La résurrection de Lazare» stellt eine frühe Auseinandersetzung mit biblischen Themen dar, die Chagalls Œuvre zeitlebens prägen sollten. Das Blatt verbindet Einflüsse des Kubismus und Fauvismus mit einer zutiefst per- sönlichen, symbolischen Bildsprache. Die Darstellung der Auferweckung des Lazarus löst sich von einer rein narrativen Lesart und entfaltet sich damit als visionäre Komposition. Ikonografisch greift Chagall das Motiv der Aufer weckung als Sinnbild für Transformation und Hoffnung auf, wobei sich bereits hier seine Fähigkeit zeigt, religiöse Inhalte mit individuellen Erinnerungen und kulturellen Einflüssen zu verschmelzen. Die Szene wirkt weniger wie ein histo- risches Ereignis als vielmehr wie eine innere Vision, gespeist aus Chagalls Herkunft und seiner Auseinandersetzung mit moderner Kunst in Paris. Das schöne, frühe Blatt gehörte einmal demösterreichisch-deutschen Schrift- steller und Kunstkritiker Theodor Däubler. Er war einer der ersten grossen Bewunderer Chagalls und schrieb 1916 die berühmtenWorte: «Ein kosmisches Kind lebt unter uns. Marc Chagall. Der Märchenprinz mit absoluter Farbe.» Im Jahr 1922 veröffentlichte er die wichtige, frühe Monografie «Marc Chagall» in der Reihe «Valori plastici». 11 Marc Chagall Witebsk 1887–1985 Saint-Paul-de-Vence La résurrection de Lazare Detail verso
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