Auktion 290: Freundschaften - Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 11.9.2026
1914. Tusche und farbige Tusche, in Gouache weiss gehöht, auf dünnemVelin, alt auf Karton aufgelegt. 22,6×21,2 cm, Blattgrösse; 29,9×24 cm, Unterlage. Unten rechts vom Künstler in der schwar- zen Fläche inweisser Tinte signiert und bezeichnet «Chagall/Paris» (schwer lesbar), darunter in der weissen Fläche in schwarzer Tinte nochmals signiert «Chagall». Das Papier minimgebräunt, mit Licht- rand. Einzelne Farbverluste im Weiss, Spuren alter Montierungen. In guter Gesamterhaltung. Schätzung CHF 50000 * Werkverzeichnis Echtheitsbestätigung (Nr. 2026034) des Comité Marc Chagall, Paris, datiert vom 29. April 2026, liegt vor Provenienz Herwarth Walden, Berlin, 1914 Slg. Nell Walden, Schinznach/Bern, dort vor 1959 erworben von Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, rückseitig auf der Unterlage mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b Literatur Der Sturm, HerwarthWalden, 8. Jg., 11. Heft, Februar 1918, auf Titel- seite Herwarth Walden, Gesammelte Tonwerke, Zehn Gesänge, Dich- tungen von Else Lasker-Schüler, Berlin, Verlag «Der Sturm», 1919, Abb. auf dem Umschlag Yvan Christ, Chagall Dessins, Paris 1953, Nr. 25, dort datiert «1914» Lothar-Günther Buchheim (Einleitung), Zwischen Tag und Traum, Zeichnungen vonMarc Chagall, Feldafing 1955, Abb. S. 16 und auf dem Rückenumschlag Nell Walden/Lothar Schreyer, Der Sturm, Ein Erinnerungsbuch an Herwarth Walden und die Künstler aus dem Sturmkreis, Baden- Baden 1954, Abb. S. 208 FranzMeyer, MarcChagall, Leben undWerk, Köln 1961, Abb. S. 176 Werner Haftmann, Marc Chagall, Gouachen, Zeichnungen, Aqua- relle, Köln 1975, Abb. Tafel 6 Jacob Baal-Teshuva, Marc Chagall, Köln 1998, Abb. S. 45 Ausstellungen Berlin 1914, Galerie Der Sturm, Herwarth Walden, Marc Chagall Bern 1944/1945, Kunstmuseum, Gemälde und Zeichnungen alter Meister, Kunsthandwerk aus Privatbesitz /Der Sturm, Sammlung Nell Walden aus den Jahren 1912–1920, Kat. Nr. 267, dort betitelt «Frau mit Fächer» Basel 1946, Kunsthalle, Francis Picabia/Sammlung Nell Walden, Kat. Nr. 173, dort betitelt «Frau mit Fächer» Zürich 1950–1951, Kunsthaus, Marc Chagall, ohne Nr., rückseitig mit Etikett Aarau 1957, Gewerbemuseum, SammlungNell Walden, Kat. Nr. 165, dort betitelt «Frau mit Fächer» Hamburg 1959, Kunsthalle, Französische Zeichnungen des XX. Jahrhunderts, Kat. Nr. 17, dort betitelt «Mädchen mit Fächer» und datiert «1912», rückseitig mit Etikett Bern 1960, Klipstein & Kornfeld, Marc Chagall, Kat. Nr. 10, dort betitelt «Das Mädchen mit dem Fächer» Paris 1984, Centre Georges Pompidou, Marc Chagall, Œuvres sur papier, Kat. Nr. 27, dort betitelt «Nu à l’éventail» Rom 1984/1985, Musei Capitolini, Marc Chagall, Disegni, gou- aches, dipinti 1907–1983, Kat. Nr. 27 Hannover/Zürich 1985, Kestner-Gesellschaft/Kunsthaus, Marc Chagall, Arbeiten auf Papier, Kat. Nr. 27, dort betitelt «Akt mit Fächer» Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. EberhardW. Kornfeld], Kat. Nr. 108, dort betitelt «Nu à l’éventail – Nacktes Mädchen mit Fächer» Mexiko Stadt 1991/1992, Centro Cultural Arte Contemporaneo, Chagall en nuestro siglo, Kat. Nr. 75, auf dem Rückenkarton mit Etikett Paris 1995, Musée d’Art moderne de la Ville de Paris, MarcChagall, Les années russes, 1907–1922, Kat. Nr. 25, auf dem Rückenkarton mit Etikett Bern 1995/1996, Kunstmuseum, Marc Chagall 1907–1917, Kat. Nr. 56, auf dem Rückenkarton mit Etikett Davos 1998/1999, Kirchner Museum, Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld, Kat. Nr. 39 Osnabrück/Lund 2000, Kulturgeschichtliches Museum/Kultur historiska Föreningen, Schwedische Avantgarde und Der Sturm in Berlin, Kat. Nr. 50 Madrid 2003, Fundación Juan March, Espíritu de modernidad, de Goya a Giacometti, Obra sobre papel de la colección Kornfeld, Kat. Nr. 39, auf dem Rückenkarton mit Etikett Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld, Kat. Nr. 44 Zürich/Liverpool 2013, Kunsthaus/Tate, Chagall, Meister der Moderne, Kat. Nr. 13 (nur in Zürich ausgestellt), auf dem Rücken- karton mit Etikett Basel 2017/2018, Kunstmuseum, Chagall – Die Jahre des Durch- bruchs 1911–1919, Kat. Nr. 50 Im Winter 1911/1912 bezog Marc Chagall ein neues, grösseres Atelier in der 1902 vom Bildhauer Alfred Boucher gegründeten Künstlersiedlung La Ruche (Der Bienenkorb) im 15. Arrondissement. Dort fand er sich inmitten der internationalen Bohème von Paris wieder und begegnete den Avantgardisten von Montparnasse, darunter die Dichter Guillaume Apollinaire, Blaise Cendrars und Max Jacob sowie die Künstler Robert Delaunay, Fernand Léger und Amedeo Modigliani. Die Themen schöpfte der Maler in erster Linie aus seinem persön- lichen Vokabular, dem russischen Leben und den Ansichten von Witebsk, die ihn stark geprägt hatten. Formell flossen jedoch neue Stilrichtungen wie der Fauvismus und der Kubismus ein und trugen dazu bei, Chagalls äusserst persönliche malerische Ausdrucks- weise zu entwickeln: Es handelt sich dabei gewissermassen um das Verweben einer traditionellen Bildsprachemit den Neuerungen der Avantgarde. Der Dichter Apollinaire nannte seine Bildwelten denn auch «surnaturel» (übernatürlich). In Paris entstanden viele Gouachen, eine Technik, die der Künstler als geeignet ansah, um seine spontanen Improvisationen umzusetzen. Das Thema «Frau mit Fächer» findet sich in ChagallsŒuvre immer wieder, erwähnt sei die Radierung «Nu à l’éventail» von 1924 (Korn- feld 39). Die vorliegende Zeichnung mit feinen Weisshöhungen ist ein Paradebeispiel für ChagallsMeisterschaft, den Bildraummittels klarer Kontraste eindrücklich zu gestalten. Herwarth Walden muss die Zeichnung sehr geschätzt haben, denn er verwendete sie gleich zweimal als Motiv auf Umschlägen von Publikationen. 13 Marc Chagall Witebsk 1887–1985 Saint-Paul-de-Vence Nu à l’éventail
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