Auktion 290: Freundschaften - Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 11.9.2026
1914. Tusche auf bräunlichem Papier, auf leichte Unterlage auf gezogen. 21,5×17,6 cm, Blattgrösse; 26,2×22 cm, Unterlage. Unten rechts vomKünstler in Tusche signiert unddatiert «MarcChagall. 14.». Papier und Unterlage minim gebräunt. Oben und rückseitig Spuren alter Montierungen. In guter Gesamterhaltung. Schätzung CHF 40000 * Werkverzeichnis Echtheitsbestätigung (Nr. 2026033) des Comité Marc Chagall, Paris, datiert vom 22. April 2026, liegt vor Provenienz Galerie Berggruen, Paris, dort 1961 angekauft von Kornfeld und Klipstein, Bern, dort 1968 angekauft von Slg. EberhardW. Kornfeld, Bern, rückseitigmit demSammlerstem- pel, Lugt 913b Literatur Werner Haftmann, Marc Chagall, Gouachen, Zeichnungen, Aqua- relle, Köln 1975, S. 29 Daniel Marchesseau, Chagall, Ivre d’images, Paris 1995, S. 41 Ausstellungen Bern 1964, Kornfeld und Klipstein, Zur 100-Jahr-Feier der Grün- dung des Hauses H.G. Gutekunst, Ausstellung 1864–1964, Zeich- nungen, Aquarelle, Kat. Nr. 34 Paris 1984, Centre Georges Pompidou, Marc Chagall, Œuvres sur papier, Kat. Nr. 48, auf dem Rückenkarton mit Etikett Rom 1984/1985, Musei Capitolini, Marc Chagall, Disegni, gou- aches, dipinti 1907–1983, Kat. Nr. 48 Hannover/Zürich 1985, Kestner-Gesellschaft/Kunsthaus, Marc Chagall, Arbeiten auf Papier, Kat. Nr. 48, auf demRückenkartonmit Etikett Bern 1989, Kunstmuseum, Von Goya bis Tinguely, Aquarelle und Zeichnungen aus einer Privatsammlung [Slg. EberhardW. Kornfeld], Kat. Nr. 114 Mexiko Stadt 1991/1992, Centro Cultural Arte Contemporaneo, Chagall en nuestro siglo, Kat. Nr. 114, auf dem Rückenkarton mit Etikett Paris 1995, Musée d’Art moderne de la Ville de Paris, MarcChagall, Les années russes, Kat. Nr. 116, auf dem Rückenkarton mit Etikett Bern 1995/1996, Kunstmuseum, Chagall 1907–1917, Kat. Nr. 193, auf dem Rückenkarton mit Etikett Rom 2007, Complesso del Vittoriano, Chagall delle meraviglie, S. 315 Wien 2008/2009, Albertina, Wege der Moderne, Aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld, Kat. Nr. 49 Bern 2009/2010, Zentrum Paul Klee, Paul Klees Grafik, Die Passion des Eberhard W. Kornfeld (ohne Kat.) Zürich/Liverpool 2013, Kunsthaus/Tate, Chagall, Meister der Moderne, Kat. Nr. 36, auf dem Rückenkarton mit Etikett Basel 2017/2018, Kunstmuseum, Chagall, Die Jahre des Durch- bruchs 1911–1919, Kat. Nr. 79 Die Ausstellung in HerwarthWaldens Berliner Galerie Der Sturm im Juni 1914 wurde in Deutschland zwar teilweise kritisch besprochen, bedeutete für Marc Chagall jedoch die grosse Anerkennung in der Avantgardekunst Europas. Die rund 200 ausgestellten Arbeiten zeigtenMotive aus seiner Kindheit und Jugend inWitebsk. Szenen des Alltagslebens, religiöse Rituale, Hochzeiten, Tiere, Häuser und fliegende Figuren verbanden sich darin mit traumartigen Elemen- ten zu einer eigenen, poetischen Bildsprache. Am 15. Juni, nach der Ausstellungseröffnung, verliess der Künstler Berlin für einen kurzen Aufenthalt in seiner Heimatstadt Witebsk. Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs Ende Juli 1914 zwang ihn, ungeplant in Russland zu bleiben. Am 1. August trat Russland als Teil der Entente-Mächte in den Krieg ein, was eine Ausreise nach Deutschland oder Frankreich in der Folge unmöglichmachte. Chagall zog zu seinen Eltern und begann dort die berühmte «Witebsker Serie». Im Zuge der Aktualität schuf er auch eine Reihe von Zeichnungen, die demKrieg gewidmet waren, darunter sicher- lich auch das vorliegende Blatt. Die nächsten Jahre verbrachte Chagall in Russland, heiratete Bella Rosenfeld undwurde 1916 Vater der gemeinsamen Tochter Ida. Die Russische Revolution 1917 eröffnete ihm zunächst neue Mög- lichkeiten. Im Jahr 1918 wurde er zum Kommissar für Kunst in Witebsk ernannt und gründete eine Kunstschule, an der er eine Verbindung von Avantgarde und Volkskunst anstrebte. Konflikte mit Vertretern der konstruktivistischen Avantgarde, insbesondere mit Kasimir Malewitsch, führten jedoch zu Spannungen bezüglich der Ausrichtung der Kunst. 1922 verliessen er und seine Familie Russland endgültig – ein Schritt, der den Übergang zu Chagalls internationaler Karriere markierte. Das vorliegende Blatt, in klarem Hell-Dunkel-Kontrast gehalten, zeigt eine Frau in volkstümlicher Tracht, die ihren in den Krieg ein- berufenen Mann oder Geliebten lautstark verabschiedet. Solch berührende Szenen wird Chagall in Witebsk gesehen und in der Folge in seinen Kunstkosmos eingewoben haben. Ein aktuelles und spannendes Blatt aus dem eigentlich nicht gesuchten Exil in der eigenen Heimat. 14 Marc Chagall Witebsk 1887–1985 Saint-Paul-de-Vence Le départ pour la guerre
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