Auktion 290: Freundschaften - Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 11.9.2026

1957. Öl auf Leinwand. 46×65,2 cm. Unten rechts vom Künstler in Öl signiert «riopelle». Pastose farbfrische Malschicht. Stellenweise minime Krakelüren. Auf dem originalen Keilrahmen. In sehr schöner Erhaltung. Schätzung CHF 80000 * Werkverzeichnis Yseult Riopelle, Jean Paul Riopelle, Catalogue raisonné, Band 2, 1954–1959, Moudon/Montréal 2004, Nr. 1957.052H.1957 Provenienz Galerie Jacques Dubourg, Paris Slg. Tito Ahrenberg, Stockholm, am 9. November 1964 angekauft von Galerie Kornfeld und Klipstein, Bern, am 17. Februar 1977 angekauft von Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern Das vorliegende Gemälde «Éventail» zeigt Jean Paul Riopelle auf dem Höhe- punkt seiner malerischen Kraft. Die Leinwand ist vollständig mit einer dichten, reliefartigen Farbmaterie bedeckt, die durch den charakteristischen Einsatz des Palettenmessers aufgetragen wurde. Diese Technik, bei der die Farbe schichtweise aufgespachtelt und übereinandergelegt wird, erzeugt eine aussergewöhnliche physische Präsenz: DieOberfläche wirkt dadurch weniger wie ein zweidimensionaler Bildträger, sondern vielmehr wie eine geologische Formation aus verfestigter Materie. Die Komposition folgt keiner klassischen Bildordnung mit klarem Vorder- und Hintergrund, sondern entfaltet sich als flächendeckend strukturiertes Gefüge, bei dem die Bildenergie gleichmässig über die gesamte Fläche verteilt ist. Inhaltlich entzieht sich «Éventail» einer eindeutigen Interpretation. Der Titel, zu Deutsch «Fächer», legt eine ornamentale Assoziation nahe und deutet auf die fächerartige Ausbreitung der Farbfelder hin, die sich vom Bildmittelpunkt aus zu entfalten scheinen. Riopelle pflegte seinen Werken häufig Titel zu geben, die auf natürliche Phänomene, Gesten oder Formen verweisen, ohne dasWerk auf eine konkrete Darstellung festzulegen. Die Natur, insbesondere die kana- dische Wildnis mit ihrer rohen und elementaren Kraft, blieb für ihn Zeit seines Lebens ein tief verwurzeltes Bezugssystem, das sich in der Wucht und Unbe- rechenbarkeit seiner Malerei widerspiegelt. 44 Jean Paul Riopelle Montréal 1923–2002 L’Isle-aux-Grues Éventail

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