Auktion 291: 150 Ausgewählte Kunstwerke 11.9.2026
1898. Öl und Tempera auf Leinwand. 31 ×64 cm. Unten rechts vom Künstler monogrammiert und datiert «CA/ 98». Auf demoriginalen Chassis, in der alten Nagelung. Die Bildoberfläche minim berieben, die Leinwand etwas stock fleckig, vor allem rückseitig sichtbar. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 50000 Werkverzeichnis Franz Müller/Viola Radlach, Cuno Amiet, Die Gemälde 1883–1919, Teilband 1, Zürich 2014, Nr. 1898.12 Provenienz Slg. George Mauner Privatsammlung Schweiz Literatur George Mauner, Cuno Amiet, Zürich 1984, S. 87 George Mauner, Cuno Amiet, Die «Obsternten» von 1912, Zürich 2002, Nr. B23 Ausstellungen Bern 1999/2000, Kunstmuseum, Cuno Amiet, Von Pont-Aven zur «Brücke», Kat. Nr. 45 Genf 2000/2001, Musée Rath, Cuno Amiet, De Pont-Aven à «Die Brücke», Kat. Nr. 34, dort betitelt «Pommes dans un pré» Cuno Amiet gelang es, dem auf den ersten Blick unscheinbaren Motiv imGras liegender Äpfel eine bemerkenswerte koloristische Intensität zu verleihen. Die konsequente Beschränkung der Farbpalette auf den Dreiklang von Grün, Gelb und Rot verleiht dem Bild eine eindrucksvolle Präsenz und innere Geschlos- senheit. Die Apfel- beziehungsweise Obsternte gehörte zu den prägenden Erfahrungen des ländlichen Lebens, die Amiet aus eigener Anschauung bes- tens kannte, da er imSchweizer Mittelland aufgewachsen war. Zugleich begeg- nete er demThema während seines Aufenthalts in Pont-Aven, wo die Apfelernte in den Jahren 1892 und 1893 zu den beliebten Bildmotiven der Künstlerkolonie zählte. Von besonderer Bedeutungwaren dabei dieWerke Émile Bernards, der sich dem Sujet in unterschiedlichen Medien widmete. So zeigte eine 1888 von Bernard und Paul Gauguin mit polychromen Holzreliefs verzierte Kommode im Haus desMalers Henri Ernest Ponthier deChamaillard eine von Bernard gestal- tete Darstellung der Apfelernte. Hinzu kamdie grossformatige, dreiteilige Tapis- seriemit apfelpflückenden Frauen imBois d’Amour bei Pont-Aven, die Bernard 1892/93 schuf. SolcheWerke dürften AmietsWahrnehmung diesesMotivkrei- ses geprägt und seine eigene künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema entscheidend angeregt haben. Darstellungen von Obsternten waren für Amiet zeitlebens ein zentrales Bildthema. Er interpretierte diesenMotivkreis immer wieder neu in Zeichnungen, Aquarellen, Lithografien, Wandbildern und Gemälden. Innerhalb dieser Bildwelt nahm der Apfel eine bevorzugte Stellung ein. Über seine Funktion als Naturmotiv hinaus gewann er eine vielschichtige symbolische Bedeutung. Er verweist auf das biblische Paradies, auf die Har- monie zwischenMensch und Natur sowie auf Fruchtbarkeit und Fülle. Darüber hinaus lässt er sich als Sinnbild einer gefestigten künstlerischen Selbstfindung, des Glücks und der Erfüllung schöpferischen Schaffens verstehen. Das vorliegende Apfelbild besticht durch seinen feinen, transparenten Farb- auftrag und seine überzeugende optischeWirkung. Zugleich stellt es ein frühes und bedeutendes Zeugnis eines Motivs dar, das sich imWerk Amiets zu einem seiner zentralen Themen entwickeln sollte. 52 Cuno Amiet Solothurn 1868–1961 Oschwand Äpfel in der Wiese
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