Auktion 291: 150 Ausgewählte Kunstwerke 11.9.2026
1919. Originale Halbleinenmappemit Lithografie auf Umschlag und 10 losen Lithografien auf Simili-Japan. 88,2×64,3 cm, Mappe; die Lithografien in nur wenig abweichenden Massen. Alle 10 Blätter vom Künstler in Bleistift signiert «Beckmann», mit dem jeweiligen Titel bezeichnet und einheitlich nummeriert «10/75». Vorhanden sind: 1. Selbstbildnis. 63,4×41,8 cm, Darstellung; 88,2×64,3 cm, Umschlag. Hofmaier 139/II (v. III) 2. Der Nachhauseweg. Blatt 2 der Folge. 73,3×48,8 cm, Darstel- lung; 87×61 cm, Blattgrösse. Hofmaier 140/B 3. Die Strasse. Blatt 3 der Folge. 67,3×53,5 cm, Darstellung; 86,7×61 cm, Blattgrösse. Hofmaier 141/B 4. Das Martyrium. Blatt 4 der Folge. 54,5×75 cm, Darstellung; 61×86,6 cm, Blattgrösse. Hofmaier 142/B 5. Der Hunger. Blatt 5 der Folge. 62×49,8 cm, Darstellung; 86,6×60,8 cm, Blattgrösse. Hofmaier 143/B 6. Die Ideologen. Blatt 6 der Folge. 71,3×50,6 cm, Darstellung; 86,8×61 cm, Blattgrösse. Hofmaier 144/B 7. Die Nacht. Blatt 7 der Folge. 55,6×70,3 cm, Darstellung; 61,2×87 cm, Blattgrösse. Hofmaier 145/B 8. Malepartus. Blatt 8 der Folge. 69×42,2 cm, Darstellung; 86,5×60,9 cm, Blattgrösse. Hofmaier 146/B 9. Das patriotische Lied. Blatt 9 der Folge. 77,5×54,5 cm, Dar- stellung; 86,8×61 cm, Blattgrösse. Hofmaier 147/II/B 10. Die Letzten. Blatt 10 der Folge. 67×47,2 cm, Darstellung; 86,6×60,8 cm, Blattgrösse. Hofmaier 148/B 11. Die Familie. Blatt 11 der Folge. 76×46,5 cm, Darstellung; 86,7×61 cm, Blattgrösse. Hofmaier 149/B. DieMappemit abgeriebenen Stellen undOberflächenverletzungen (auch in der Lithografie), Wasserflecken und gebrochenemRücken. Die Blätter an manchen Stellen mit leichten Knittern, vereinzelt mit hinterlegten Einrissen oder umgefalteten Blattkanten. Die Blätter jedoch insgesamt in guter Druckqualität, die Mappe sauber in der Erhaltung. Schätzung CHF 160000 Werkverzeichnis Hofmaier 139–149 «Die Hölle» vonMax Beckmann ist ein Schlüsselwerk imgrafischen Schaffen des Künstlers. Aus einemBrief vom 10. Mai 1919 an seinen Münchner Verleger Reinhard Piper geht hervor, dass der Vorschlag zu diesemZyklus von Israel Ber Neumann, Berlin, stammt. I. B. Neu- mann war neben Reinhard Piper in München der zweite grosse Verleger von Beckmanns Grafik. Seit 1911 edierte er zahlreiche Einzelblätter des Künstlers und im November 1917 richtete er ihm seine erste Grafikausstellung in Berlin aus. Der Zyklus, bestehend aus zehn Kompositionen und einem Selbstbildnis, spiegelt Beck- manns Erfahrungen unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wider. Deutschlandwar von Inflation undwirtschaftlicher Not geprägt und bis zur Ausrufung der Weimarer Republik im November 1919 ein Pulverfass. Vielerorts, wie in Frankfurt oder Berlin, das Beckmann imMärz 1919 besuchte, herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände, welche wohl den Anstoss für «Die Hölle» gaben. Die Blätter erschienen in einer Auflage von 75 Exemplaren, wovon 50 einer Mappe mit Umschlaglithografie beigelegt wurden und 25 in Form von losen Blättern verkauft wurden. Es handelt sich jeweils um Zeichnungen, die der Künstler in Kreide auf grossfor- matiges Papier gebracht hat; imUmdruckverfahren wurden sie auf Lithosteine übertragen und in der Druckerei C. Naumann in Frank- furt am Main auf Simili-Japan gedruckt. Bei unserem Los ist die seltene Umschlagmappemit demSelbstporträt im II. Bearbeitungs- zustand mit Textzeilen vorhanden. ImGegensatz zu den Angaben bei Hofmaier ist das Titelblatt mit dem identischen Selbstporträt als Einzelblatt bei uns nicht integriert. Beckmann führt uns in seinen Darstellungen durch das Berlin der Nachkriegszeit – eine Welt voller Gewalt, Hunger und sozialer Instabilität. Schonungslos, und doch ohne moralische Anklage, zeigt er eine zutiefst traumatisierteGesellschaft. Mit seinemSelbst- bildnis stellt er sich selbst als Jahrmarktschreier dar, der das Pub- likum einlädt, in die Hölle einzutreten. In dieser Form ist das Port- folio äussert selten. 66 Max Beckmann Leipzig 1884–1950 New York Die Hölle 1
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ4OTU=