Auktion 291: 150 Ausgewählte Kunstwerke 11.9.2026
1953.Öl,Tempera,SandundSägemehlaufLeinwand.106,4×83,7cm. Unten links vom Künstler signiert und datiert «Marc Chagall 953». Auf einem neuen Chassis mit umseitigen Leinwandverstärkungen aufgezogen. In ausgezeichneter Erhaltung. Schätzung CHF 1200000 * Werkverzeichnis Echtheitsbestätigung (Nr. 2026082) des Comité Marc Chagall, Paris, datiert vom 27. April 2026, liegt vor Provenienz Nachlass Marc Chagall, von dort an Internationale Privatsammlung Literatur Franz Meyer, Marc Chagall, Paris 1964, S. 891 Itzhak Goldberg, Chagall, Paris 2019, S. 289, 268 Ausstellungen Paris 1954, Galerie Maeght, Marc Chagall, Kat. Nr. 3 Basel 1956, Kunsthalle, MarcChagall, Werke aus den letzten 25 Jah- ren, Kat. Nr. 67 Bern 1956, Kunsthalle, Marc Chagall, 1950–1956, Kat. Nr. 27 Saragossa 1998, Centro de exposiciones y congresos, Marc Cha- gall, Pinturas alrededor de la serie de París, gouaches y aguadas, esculturas y litografías, Kat. Nr. 57 Johannesburg 2000, Standard Bank Gallery, Marc Chagall, The Light of Origins, La lumière des origines, Kat. Nr. 43 Nizza 2001, Musée national Message BibliqueMarc Chagall, Marc Chagall, Paysages, ohne Kat. Paris 2003, Grand Palais/Museum of Modern Art, Chagall, connu et inconnu, Kat. Nr. 140 San Francisco 2003, Museum of Modern Art, Chagall, Kat. 105 Turin 2004, Marc Chagall, Galleria d’Arte Moderna, Marc Chagall, Un maestro del ’900, Kat. Nr. 100 Seoul/Busan 2004, Museumof Art/Metropolitan Art Museum, Cha- gall, Magician of Color, S. 93 Ishøj 2006, ArkenMuseumof Modern Art, Chagall’sWorld of Love, ohne Kat. Baden-Baden 2006, Museum Frieder Burda, Chagall in neuem Licht, Kat. Nr. 175 Rom2007, Complesso del Vittoriano, Chagall dellemeraviglie, S. 233 Martigny 2007, Fondation Pierre Gianadda, Chagall, Entre ciel et terre, Kat. Nr. 157 Zagreb 2007/2008, Galerija Klovićevi dvori, Marc Chagall, Priča nad pričama, ohne Kat. Nizza/Rom/Verona/San Sebastian 2010/2011, Musée national Marc Chagall/Museo dell’Ara Pacis/Galleria d’arte moderna Palazzo Forti/Sala Kubo-Kutxa, Sens dessus dessous, le monde renversé de Marc Chagall, Kat. Nr. 53 Madrid 2012, Thyssen-Bornemisza Museo Nacional, Chagall, Kat. Nr. 77 Paris/Budapest 2013/2014Musée du Luxembourg/Magyar Nemzeti Galeria, Chagall, Entre guerre et paix, Kat. Nr. 84 Rouen 2014, Musée des Beaux-Arts, Cathédrales, 1789–1914, un mythe moderne, Kat. Nr. 101 Mailand/Brüssel 2015, Palazzo Reale/Musées Royaux des Beaux- Arts de Belgique, Marc Chagall, Rétrospective 1908–1985, S. 227 Rovigo 2020, Palazzo Roverella, Anche la mia Russia mi amerà, Kat. Nr. 80 Nach den Erfahrungen von Exil und Krieg hatte sich Marc Chagall wieder in Frankreich niedergelassen und widmete sich in seiner «Série de Paris» verstärkt Motiven, die seine persönliche Beziehung zu Paris und vor allem seine Vision von der Stadt widerspiegeln. Die Stadt erscheint dabei nicht als realistische Ansicht, sondern als konzentriertes Sinnbild der Erinnerung. Der Titel des Gemäldes bezieht sich auf die berühmten Wasser- speier in Form von Chimären der Kathedrale Notre-Dame. Chagall kreiert aus einer dieser Figuren ein fantastischesMischwesen, das zwischenMensch und Tier oszilliert und über die Dächer von Paris blickt. Es trägt auch die Züge vom «mystischem» Tier, das sich als Metapher für die Kreativität in zahlreichen seiner Werke findet. Die nächtliche Stadtlandschaft ist in leuchtenden Blautönen gehalten und vermittelt eine geheimnisvolle Atmosphäre. Neben demMons- ter erscheinen weitere für Chagall typische Motive: ein Hahn und ein schwebendes Liebespaar. Der Hahn, ein häufiges Motiv bei Chagall, kann als Symbol für Erneuerung, Lebensfreude und schöpferische Energie verstanden werden. Die schwebenden Lie- benden gehören zu den zentralen Bildthemen des Künstlers und verweisen auf die Kraft der Liebe, die auf der Suche nach einer Bleibe Raum und Zeit überwindet. Stilistisch zeigt das Werk die charakteristischen Merkmale von Chagalls reifer Malerei. Die Perspektive ist aufgehoben, Realität und Traumverschmelzenmiteinander. Die intensive Farbigkeit dient nicht der naturgetreuen Wiedergabe, sondern dem Ausdruck von Stimmung undGefühl. Besonders das dominante Blau erzeugt eine Atmosphäre zwischen Nacht, Erinnerung und Vision, die Farbe wird zum Thema der Komposition. «Le Monstre de Notre-Dame» ist damit weit mehr als eine Stadt- ansicht. Das Gemälde verwandelt Paris in einen imaginären Kos- mos, in dem persönliche Erinnerungen und kulturelle Symbole zusammenfinden. Es veranschaulicht Chagalls Überzeugung, dass die Kunst nicht die sichtbare Wirklichkeit abbilden sollte, sondern eine innere Wahrheit sichtbar machen sollte. Dadurch zählt das Werk zu den eindrucksvollsten Beispielen seiner Bildwelt. 72 Marc Chagall Witebsk 1887–1985 Saint-Paul-de-Vence Le Monstre de Notre-Dame
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