Auktion 293: Illustrierte Bücher und Portfolios aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 10.9.2026
1919–1923, publiziert 1923. 6 Lithografien, die erste mit Collage, und Impres- sumseite auf glattem Papier mit Collage, in originalem Kartonumschlag mit Collage. 61×45 cm, Mappe; je ca. 60,5×44 cm, Blattgrösse. Im Impressum ohne Nummer ausgewiesen, imRahmen einer Dedikation vomKünstler in Tinte signiert, datiert und bezeichnet «Für Adolf Behne/ El Lissitzky/Hannover Juli 1923». Jedes Blatt vom Künstler unten rechts bzw. links in Bleistift signiert «El Lissitzky». Blatt 2 unten minim fleckig, Blatt 4 mit winzigen Ausbrüchen im schwarzen Kreis, insgesamt in sehr schöner Druckqualität und Erhaltung. Schätzung CHF 125000 * Werkverzeichnis Nisbet, Busch-Reisinger Museum, 1987, Nr. 55–62 Provenienz Slg. Adolf Behne (1885–1948), Berlin Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, auf der Innenseite des Umschlags mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b Literatur Wieland Schmied, Wegbereiter zur modernen Kunst, 50 Jahre Kestner-Gesell- schaft, Hannover 1966, S. 292–293 Ausstellungen Basel/Høvikodden 1975/1977, Kunstmuseum/Henie Onstad Kunstsenter, Meisterwerke der Graphik von 1800 bis zur Gegenwart, Kat. Nr. 282 Salzburg/Winterthur 1984/1985, Rupertinum/Kunstmuseum, Von Goya bis Warhol, Meisterwerke der Graphik des 19. und 20. Jahrhunderts aus einer Schweizer Privatsammlung [Slg. Eberhard W. Kornfeld], Kat. Nr. 241 Valencia 1990, IVAM, La época heróica, Obra gráfica de la vanguardias rusa y húngara en las colecciones suizas Bei der «Proun-Mappe» handelt es sich um die erste von sechs Kestner-Mappen, die unter der Leitung des zweiten Direktors der 1916 gegründeten Kestner-Gesellschaft, Eckart von Sydow, herausgegeben wurden. Sie erschien im Verlag Ludwig Ey und wurde bei Robert Leunis & Chapman in Hannover gedruckt. El Lissitzky erhielt im Jahr 1923 eine erste Ausstellung in der Kestner- Gesellschaft und den Auftrag, eine Mappe mit Lithografien als Jahresgabe für die Mitglieder zu entwerfen. Es war die erste institutionelle Einzelausstellung des russischen Künstlers, die seine bahnbrechende Position als Künstler der Avantgarde und einer neuen konstruktivistischen Formensprache markierte. Ein zentrales Element der Ausstellung in Hannover war Lissitzkys «Prounen- raum», ein begehbarer Kubus, dessen Wände mit geometrischen Formen ver- sehen waren, dargestellt auch in einer der vorhandenen Lithografien. Der Künstler, der zwischen 1919 und 1923 primär in Witebsk und Moskau und ab ca. 1921/1922 in Berlin tätig war, kam in dieser Zeit in Kontakt mit den sup- rematistischen Ideen von Kasimir Malewitsch und der Künstlergruppe UNOWIS (Bestätiger der Neuen Kunst). Daraus entwickelte er das Konzept der «Proun»- Kunst, ein Akronym, das imRussischen die Initialen von «Projekt zur Bestätigung des Neuen» kombiniert. Die «Proun-Mappe» gehört zusammen mit der «Kon- struktionen-Mappe» von László Moholy-Nagy (vgl. unser Los 837) zu den bedeutendsten grafischen Leistungen einer neuen Bildsprache, in der Kunst, Technik und Architektur eine visuelle Symbiose eingehen. Komplett ist das Werk äusserst selten. 836 El Lissitzky Polschinok/Smolensk 1890–1941 Moskau Kestnermappe 1. Proun. El Lissitzky Herausgegeben von Eckart von Sydow. Hannover, Verlag Ludwig Ey, 1923
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