Auktion 293: Illustrierte Bücher und Portfolios aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 10.9.2026
1923. 6 Lithografien, in unterschiedlichen Farbtönen gedruckt, auf glattem Papier, lose in originalem Kartonumschlag mit Collage. Mit 2 beigelegten Umschlaglaschen auf rotem Ingres-Papier. 57×45,2 cm, Kartonumschlag; je 55,6×44,5 cm, Blattgrösse. 4 Grafiken vom Künstler unten rechts in Bleistift monogrammiert «KS», 2 Grafiken unten links signiert «Kurt Schwitters». Die ursprünglich blaue Mappe insbesondere auf der Vorderseite stark verblasst und mit Verfärbungen, der Rücken oben und unten leicht eingerissen. 2 von 3 Umschlaglaschen losgelöst und beigelegt. Die Grafiken mit minimen Griff- knicken, die äussersten Ränder minim gebräunt, insgesamt in guter Druck qualität und Erhaltung. Schätzung CHF 100000 * Werkverzeichnis Orchard/Schulz 1194, 1194.2 bis 1194.7 Schmalenbach, Bibliographie VI, 234 Provenienz Slg. Eberhard W. Kornfeld, Bern, auf der Innenseite des Umschlags mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b «Merz 3» ist die sogenannte «Erste Mappe des Merzverlages», die Kurt Schwitters 1923 im Eigenverlag herausgab. Den Druck übernahm die inter nationale Druck- und Verlagsgesellschaft Molling &Comp. mit Sitz in Hannover, die sich sowohl in der Herstellung und demVertrieb hochwertiger Kinder- und Märchenbücher als auch in der Produktion von Werbe- und Gebrauchsgrafik einen Namen gemacht hatte. Als Auflage waren 50 Exemplare vorgesehen, es lässt sich jedoch nicht nachweisen, ob tatsächlich 50 komplette Mappen her- gestellt wurden. Neben der Normalauflage existieren jedoch vereinzelte Künst- lerexemplare, bei denen die Lithografienmit Collageelementen versehen sind. Bisher konnten die Autorinnen des Werkverzeichnisses davon lediglich fünf nachweisen. Schwitters’ «Merz-Mappe» nimmt sicherlich eine Sonderstellung in seinem Œuvre ein: Sie bildet den Abschluss seiner druckgrafischen Produktion, die er ausschliesslich zwischen 1919 und 1923 verfolgte und für die er die Technik der Lithografie verwendete. Vorliegend sind sechs einfarbig in unterschied lichen Farbtönen auf demgleichen einfachen Papier gedruckte Blätter. Sie sind sowohl in ihrer geometrischen, teils bis an die Blattränder stossenden Kompo- sition als auch im Hinblick auf das Montageprinzip mit einigen in den Jahren 1922/1923 entstandenen Collagen vergleichbar. Die rechtwinkligen Flächen erzielte er im Falle der Lithografien mit Material aus der Druckerei, das er ent- sprechend zuschnitt und mit anderen Druckvorlagen wie Blindmaterial aus dem Setzkasten kombinierte. Das geometrische Formenrepertoire und der flächenhafte Aufbau der Lithografienweisen auf Einflüsse der niederländischen Künstlervereinigung De Stijl hin, die Schwitters’ Schaffen zu dieser Zeit mit- prägte. Bis auf den Innentitel, der in dieser Mappe fehlt, ist diese Publikation komplett mit allen Grafiken und dem Originalumschlag äusserst selten. 851 Kurt Schwitters Hannover 1887–1948 Ambleside Merz 3. Merz Mappe. Erste Mappe des Merzverlages. 6 Lithos Hannover, Merzverlag [Kurt Schwitters], 1923
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