Auktion 293: Illustrierte Bücher und Portfolios aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 10.9.2026

1942. 11 Arbeiten in diversen Techniken (Collage, Kupferstich, Radierung, Fotografie, Aquarell), teilweise auf farbige Papiere auf- gelegt, lose in Originalumschlag, in Kartonschuber. 47×36,2 cm, Schuber. Auf dem Umschlag mit der Nummer «1» als eines von 50 geplanten Exemplaren ausgewiesen und neben dem gedruckten Vermerk «This Copy Is Printed Especially for» handschriftlich bezeichnet «Mr. Bernard J. Reis». Die Mappe enthält:  1. André Breton. Poème-objet. Collage mit Postkarte, Fäden, Pailletten und Tinte auf braunemBütten. 45,6×35,6 cm. Unten rechts vom Künstler in Tinte signiert «André Breton»  2. Alexander Calder. Score for Ballet 0–100. Kupferstich auf Umbra Italia mit Wasserzeichen. 28,8×37,7 cm, Plattenkante; 35,6×45,6 cm, Blattgrösse  3. Leonora Carrington. Ohne Titel. Radierung auf Velin, an der Oberkante auf blaues Papier aufgeklebt. 20,2×25 cm, Platten- kante; 30,5×35,4 cm, Blattgrösse. Unten rechts von der Künst- lerin in Bleistift signiert «Leonora Carrington»  4. Marc Chagall. La Tour Eiffel. Radierung auf Umbra Italia mit Wasserzeichen. 27,5×20,2 cm, Plattenkante; 45,5×35,4 cm, Blattgrösse. Kornfeld 85/b (v. c). Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert «Marc Chagall»  5. Max Ernst. Vogelmenschen. Frottage, in Pastell überarbeitet, auf Montgolfier-Büttenmit Wasserzeichen. 45,7×35,7 cm. Vgl. Spies/Metken 2408. Unten rechts vomKünstler in Bleistift sig- niert «max ernst»  6. David Hare. Ohne Titel. Fotografie auf Fotopapier, an der Ober- kante auf blaues Canson aufgeklebt. 30,6×24,8 cm. Unten rechts vom Künstler in Tinte signiert «David Hare»  7. André Masson. Les fruits de l’abîme. Radierung, an der Ober- kante auf oranges Canson aufgeklebt. 30×20,2 cm, Platten- kante; 43,2×30,8 cm, Blattgrösse. Saphire 85. Cramer, Les livres illustrés, 15. Unten rechts vomKünstler in Bleistift signiert und datiert «André Masson 42»  8. Roberto Matta. Ohne Titel. Aquarell und Bleistift auf glattem Zeichenpapier, an der Oberkante auf blaues Canson auf­ geklebt. 42,6×34,7 cm, Blattgrösse. Unten rechts vom Künst- ler in Bleistift nummeriert «4/20» und signiert «Matta»  9. Robert Motherwell. Ohne Titel. Aquarell und Feder in Tusche auf glattem Zeichenpapier, an der Oberkante auf braunes Papier aufgeklebt. 22,3×15,2 cm, Blattgrösse. Unten rechts vomKünstler in Bleistift monogrammiert «rm», auf der Unterlage erneut signiert «motherwell» 10. Kurt Seligmann. Phantomof thePast. 1942. Radierungauf Velin, an der Oberkante auf blaues Papier aufgeklebt. 35,2×29,4 cm, Plat- tenkante; 44,4×34,5 cm, Blattgrösse. Mason 116/III. Unten rechts vom Künstler in Bleistift signiert und datiert «Seligmann 1942» 11. Yves Tanguy. Ohne Titel. Radierung auf Velin, an der Oberkante auf oranges Papier aufgeklebt. 32,5×25 cm, Plattenkante; 40,8×32 cm, Blattgrösse. Wittrock 10. Unten rechts vomKünst- ler in Bleistift signiert und datiert «YVES TANGUY 42» Der Umschlag, insbesondere der Rücken, mit Schäden und anman- chen gebrochenen Stellen innen mit Klebstreifen fixiert, insgesamt leicht verschmutzt und mit Griffspuren. Die ursprüngliche Verlei- mung der Arbeiten auf die farbigen Papiere hat sich gelöst, sodass sie wohl später neu amOberrandmit Klebstreifen befestigt wurden. Bei den meisten Blättern sind die originalen Leimspuren jedoch recto sichtbar. Insgesamt sind die Beiträge in guter Erhaltung Schätzung CHF 100000 * Provenienz Slg. Bernard J. Reis (1895–1978), New York Slg. EberhardW. Kornfeld, Bern, auf der Innenseite des Umschlags mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b Das Album «VVV» ist eines der spannendsten Portfolios, das wäh- rend des Zweiten Weltkriegs in den USA entstand. Es enthält Bei- träge von zehn Künstlern und einer Künstlerin, die sich in den 1940er-Jahren in den Vereinigten Staaten im Exil aufhielten. Die Idee zur Herausgabe einer Zeitschrift mit dem Titel «VVV» sowie für ein Albummit elf Arbeiten, das deren Finanzierung sichern sollte, entstand während eines Abendessens zu Thanksgiving im Jahr 1941 in New York, zu dem Bernard J. Reis und seine Frau Rebecca eingeladen hatten. An diesemGründungsabendwaren André Bre- ton, MarcChagall und Kurt Seligmann anwesend. Letzterer erklärte sich bereit, die Radierungen für das Album zu drucken. So erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift «VVV» (Nr. 1) im Juni 1942 und die Galerie PierreMatisse verkaufte in diesemMonat bereits ein Album. Obwohl auf dem Umschlag der Vermerk «This Edition is Limited to 50Copies […]» gedruckt steht, geht die Forschung davon aus, dass lediglich etwa zwanzig Portfolios fertiggestellt wurden. Dafür spricht auch, dass die Zeichnung von Roberto Matta lediglich auf zwanzig Exemplare nummeriert ist, während die anderen grafi- schen Arbeiten keine Nummerierung tragen. André Masson, Yves Tanguy, Kurt Seligmann und Alexander Calder datierten ihreWerke auf das Jahr 1942. Auf dem Umschlag figuriert ein reproduzierter grosser Daumenabdruck und drei Fingerabdrücke von Calder. Damit sollten die Flecken verdeckt werden, die an dieser Stelle unvermeidlich entstehen, wenn das Albumaus seiner Hülle genom- men wird. Von der Zeitschrift «VVV» erschienen insgesamt nur drei Ausgaben (vier Nummern), die beiden folgenden imMärz 1943 (Nrn. 2/3) und im Februar 1944 (Nr. 4). Patrick Cramer vermutet in seinen Erläute- rungen im Catalogue raisonné von André Masson, Les livres illus- trés, Nr. 15, dass die geplanten vier Ausgaben wohl erschienen wären, hätten sich mehr Alben verkauft. Er hält zudem fest, dass das Album bereits 1942 erschienen sei, obwohl in der Literatur häufig das Jahr 1943 als Publikationsdatum genannt wird. Aus- gangspunkt für diese falsche Annahmewar wohl eine Ankündigung in der Ausgabe der Zeitschrift von 1943, in der es einen Hinweis zur Fertigstellung eines Portfolios mit elf Originalwerken gab, jedoch mit dem überlesenen Zusatz «Eine gewisse Anzahl sei noch ver- fügbar». Wir schliessen uns der Datierung 1942 an. Bei dem vorliegenden Exemplar handelt es sich um die Nummer «1» des Albums, handschriftlich in Tinte im Impressum vermerkt, die dem Gastgeber und Ideenvater Bernard J. Reis gehörte. Bernard J. Reis machte 1915 an der New York University einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und schloss 1918 sein Studium an der New York University School of Law ab. Beruflich war er in dieser Zeit als Wirtschaftsprüfer tätig. Zusammen mit seiner Frau Rebecca baute er in Folge eine grosse Kunstsammlung auf und pflegte freundschaftliche Kontakte zur Sammlerin Peggy Guggenheimund zu KünstlernwieMarcChagall oder Mark Rothko. Er war Direktor von Art of This Century Films und der Peggy Gug- genheimFoundation. Nach demTod vonMark Rothko war er einer der Nachlassverwalter. Ein komplettes Portfolio des Albums «VVV» ist von grösster Seltenheit. 857 Mappenwerk Album VVV New York, [Eigenverlag], 1942

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