Auktion 293: Illustrierte Bücher und Portfolios aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 10.9.2026

862 Pablo Picasso Málaga 1881–1973 Mougins Picasso. Sueño y mentira de Franco Paris, chez l’auteur, 1937 Paris, 8. Januar respektive 8.–9. Januar und 7. Juni 1937. 2 Blatt Radierung und Aquatinta auf Chine collé auf Japan, in Mappe mit aufgeklebtemTiteletikett, mit Textbogen (facsimilierte Handschrift des Künstlers, rückseitig mit gedrucktem Text in Spanisch und Übersetzung in Französisch). 59,3×40,4 cm, Umschlag. Die Grafi- ken jeweils unten rechts vomKünstler in Bleistift signiert «Picasso», links nummeriert «51/150». Das Textblatt von Picasso in roter Tusche dediziert «Pour Georges Hugnet / son vieil ami / Picasso / Paris 28 Avril 1938». Mit minimen Gebrauchsspuren und ganz vereinzelt mit Flecken, die zweite Grafik mit einem kleinen Papierverlust an der linken unteren Kante. Insgesamt in sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 20000 * Werkverzeichnisse Goeppert/Cramer, Les livres illustrés, 28 Bloch, Bücher, 28 Baer 615/II/B/d (v. C) und 616/V/B/d (v. C) Bloch 297 und 298 Provenienz Slg. Georges Hugnet, Paris Slg. EberhardW. Kornfeld, Bern, auf der Innenseite des Umschlags mit dem Sammlerstempel, Lugt 913b Ausstellungen Basel/Høvikodden 1975/1977, Kunstmuseum/HenieOnstad Kunst- senter, Meisterwerke der Graphik von 1800 bis zur Gegenwart, Kat. Nr. 219 Bern 1982, Galerie Kornfeld, Pablo Picasso, Graphische Werke, 1904–1972, Kat. Nr. 204 Freiburg 1994, Musée d’art et d’histoire, Pablo Picasso, Gravures et lithographies, 1904–1972, Kat. Nr. 160 «Sueño y mentira de Franco» ist eine publizistische Arbeit, die der Künstler im Eigenverlag herausgegeben hat. Sie erschien in einer Auflage von 150 Exemplaren auf Japan und 850 Exemplaren auf Bütten. Die Radierungen der vorliegenden Vorzugsausgabe sind vom Künstler eigenhändig signiert, während die Grafiken der Normalausgabe Picassos Stempelsignatur tragen. Das Werk entstand während des Spanischen Bürgerkrieges, der 1936 zwischen den Republikanern und den Aufständischen um General Franco ausgebrochen war, und diente der finanziellen Unterstützung der Republikaner. Ursprünglich als Postkarten im Format 9×14 cm konzipiert, schuf der Künstler zwei blattgrosse Radierungen mit je neun Einzeldarstellungen. Am 8. und 9. Januar 1937 entstanden vierzehn der insgesamt achtzehn Darstellungen in Strichätzung, die am 25. Mai mit Aquatinta überarbeitet wurden. Am 7. Juni 1937 wurden die restlichen vier Felder in Strichätzung radiert. In den ersten vierzehn Darstellungen wird auf zwölf Blättern das Ungeheuer Franco karikiert und auf zwei Blättern das leidende Spanien dargestellt. Am 26. April 1937 fand die desaströse Bom- bardierung der Stadt Guernica durch die Legion Condor der deut- schen Luftwaffe statt, die Hitler Franco zur Verfügung gestellt hatte. Picasso begann ab Mai mit den Vorbereitungen seines anklägeri- schen grossen Wandbildes «Guernica», das im Sommer 1937 in Paris im Pavillon der Republikaner anlässlich der Weltausstellung gezeigt wurde. Die am 7. Juni 1937 beigefügten letzten Darstellun- gen zeigen bereits Themen, die auch auf dem Wandbild berück- sichtigt wurden, wie die «Klagende Frau» und die «Mutter mit Kindern». Picasso stellte den gesamten Erlös aus dem Verkauf dieser Publikation der Hilfskasse für die spanischen Republikaner zur Verfügung.

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ4OTU=