Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026

1891. Tusche und Bleistift auf beigem, strukturiertem Bütten. 48,5×21,2 cm. In der Mitte rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert «Kollwitz». Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 275000 * Werkverzeichnis Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 33 Provenienz Slg. Alexander von der Becke, München, versteigert bei Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 12. Juni 2009, Los 91, dort erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Otto Nagel, Die Selbstbildnisse der Käthe Kollwitz, Berlin 1965, Tafel 7 Gudrun Fritsch, Josephine Gabler, Helmut Engel, Käthe Kollwitz, hrsg. von der Ernst Freiberger-Stiftung, Berlin-Brandenburg 2013, S. 29 Käthe Kollwitz, Ich sah die Welt mit liebevollen Blicken, Ein Leben in Selbst- zeugnissen, hrsg. von Hans Kollwitz, Neuauflage Wiesbaden 2001, S. 379 Ausstellungen München 1967, Kunsthandlung A. von der Becke und Sohn, Käthe Kollwitz, Handzeichnungen und graphische Seltenheiten, Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag, Kat. Nr. 2 Stuttgart 1967, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, Die Zeichnerin Käthe Kollwitz. Ausstellung zum 100. Geburtstag, Kat. Nr. 6 Hiddensee 2011, Gerhart-Hauptmann-Haus Hiddensee u.a., Die Weber von Gerhart Hauptmann mit Grafiken von Käthe Kollwitz, S. 1 Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 88 Die Zeichnung «Selbstbildnis mit drei Handstudien» von 1891 gehört zu den frühen Selbstbildnissen von Käthe Kollwitz und dokumentiert bereits eindrucks- voll ihre aussergewöhnliche Beobachtungsgabe sowie ihr Interesse an psycho­ logischer Verdichtung. Das Blatt verbindet das Selbstporträt mit mehreren Studien der Hände – jenemAusdrucksträger, der im späterenWerk der Künst- lerin eine zentrale Rolle spielen wird. Während das Gesicht konzentriert und ernst erscheint, untersucht Kollwitz in den daneben angeordneten Handstudien unterschiedliche Haltungen und Gesten. Die Hände wirken nicht wie reine akademische Übungen, sondern besitzen bereits eine eigene Ausdruckskraft. Sie vermitteln Spannung und innere Bewegung. 1891 heiratete Käthe Schmidt ihren langjährigen Verlobten, den Arzt Karl Kollwitz. Das Paar siedelte von Königsberg nach Berlin über, wo er im Bezirk Prenzlauer Berg an der Weissenburger Strasse (heute: Kollwitzstrasse) eine Kassenarztpraxis eröffnete und sie eine Wohnung bezogen. 1892 bzw. 1896 wurden die Söhne Hans und Peter geboren. Das vorliegende Blatt gehört zu den bedeutendsten frühen Selbstbildnissen. Zweimal ist an der rechten Hand ein Ring zu sehen. Das Hochzeitsdatum der Eheleute Kollwitz war der 13. Juni 1891. Nagel/Timm sehen die Hand spiegel- verkehrt dargestellt, was auf den Verlobungsring deuten könnte. In diesem Falle wäre die Zeichnung vor Juni 1891 entstanden, ansonsten kurz nach der Hochzeit. In jedem Fall handelt es sich um ein aussergewöhnliches Studienblatt, man spürt bereits den unvergleichlichen Ausdruck der Suche nach Identität und künstlerischer Eigenständigkeit. 902 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Selbstbildnis mit drei Handstudien

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