Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026

1907. Schwarze und weisse Kreide auf grau-braunem Velin. 20,3×29 cm, Darstellung; 47×65,5 cm, ausgefaltetes Blatt. Unten links von der Künstlerin in Bleistift signiert «Käthe Kollwitz», darüber bezeichnet «Peter zu totem Jungen Bauernkrieg». Mit vereinzelten Reissnagellöchern. Das Blatt mehrfach gefaltet. Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 60000 * Werkverzeichnis Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 414 Provenienz Nachlass Käthe Kollwitz, dort erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-MuseumBerlin, hrsg. vonMartin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 45 Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. vonMartin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 70/71 Ausstellungen Berlin 1967, Akademie der Künste in Verbindungmit den Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett und Natio­ nalgalerie, Käthe Kollwitz und ihre Zeitgenossen, Ausstellung zum 100. Geburtstag von Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 36 Berlin 1988, Käthe-Kollwitz-Museum, Käthe Kollwitz und Paul Holz, Zeichnungen und Graphiken zur europäischen Literatur, S. 11 Hannover/Regensburg 1990, Wilhelm-Busch-Museum/Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Käthe Kollwitz, Druckgraphik, Handzeich- nungen, Plastik, Kat. Nr. 147 Berlin 1995, Käthe-Kollwitz-Museum, Schmerz und Schuld, Eine motivgeschichtliche Betrachtung, Kat. Nr. 34 Rotterdam 1995, Chabot Museum, Käthe Kollwitz, Tekeningen, grafiek, sculpturen, Kat. Nr. 17 Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 39 Berlin/Passau 2011, Käthe-Kollwitz-Museum/Museum Moderner Kunst Wörlen, Käthe Kollwitz, Bildhauerin aus Leidenschaft, S. 81 Berlin 2014, Käthe-Kollwitz-Museum, Mahnung und Verlockung, S. 101 Berlin 2021, Galerie Judin, EnriqueMartínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 90 Nach der intensiven Beschäftigungmit dem schlesischenWeber- aufstand wandte sich Käthe Kollwitz zu Beginn des 20. Jahrhun- derts einem weiteren historischen Thema sozialer Erhebung zu: demDeutschen Bauernkrieg des 16. Jahrhunderts. Zwischen 1901 und 1908 entstand ihr umfangreicher, sieben Blätter umfassender Zyklus «Bauernkrieg», in dem sie die gewaltsamen Auseinander- setzungen zwischen Bauernschaft und feudaler Herrschaft ver­ arbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die historische Rekonstruktion der Ereignisse als vielmehr die allgemeine Erfah- rung von Unterdrückung, Aufbegehren und menschlichem Leid. Für das gesellschaftlich und politisch geprägte Umfeld der Künst- lerin besass der Bauernkrieg keineswegs nur historischen Cha- rakter. Die von Wilhelm Zimmermann verfasste Publikation «Geschichte des grossen Bauernkriegs» wurde im liberalen und sozialistischen Milieu des späten 19. Jahrhunderts als Sinnbild fortdauernder sozialer Ungleichheit verstanden. Auch Kollwitz griff das Thema auf, um indirekt auf die Lebensbedingungen und sozi- alen Konflikte ihrer eigenen Zeit hinzuweisen. Im sechsten Blatt der Folge richtet sich der Blick nicht mehr auf die Dynamik des Aufstands selbst, sondern auf dessen Folgen. Der Kampf ist vorüber, dieGewalt verstummt, zurück bleibt die erschüt- ternde Realität des Todes. DieMutter sucht abends imLichtschein der Laterne ihr totes Kind. Für die Vorarbeit zumBlatt «Schlachtfeld» (vgl. Los 913) hat sich die Künstlerin mit der Darstellung des toten Kindes befasst. Als Modell verwendete sie dafür ihren 1896 gebo- renen Sohn Peter. Mit schwarzer und weisser Kohle hat sie eine unglaublich dichte Darstellung geschaffen, bei welcher der Kopf von oben beleuchtet wird. Das Motiv wird zum Inbegriff für Trauer und Verzweiflung. 912 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Kopfstudie für den toten Jungen

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