Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026
1907. Kohle und Kreide, zumTeil gewischt, mit Höhungen in weisser Kreide auf MBM-Bütten. 48,9×40,8 cm. Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert «Kollwitz». Mit vereinzelten Reiss nagellöchern. Minimer Lichtrand. Rückseitig Spuren alter Montie- rungen. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 350000 * Werkverzeichnis Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 412 Provenienz Slg. Werner Trautscholdt, am 7. Oktober 1949 versteigert bei Auktion Gutekunst & Klipstein, Bern, dort am 2. Mai 1950 verkauft an Slg. Dr. Walter Krieg, versteigert bei Auktion Gutekunst & Klipstein, Bern, 7. November 1952, Los 2, dort erworben von Slg. Prof. Gustav Stein, Köln Galerie Pels-Leusden, Berlin, dort 1990 erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Konrad Weinmeyer, Käthe Kollwitz zu ihrem 50. Geburtstag, in: Kunst für Alle, 32. Jahrgang, München Juli 1917, S. 377 Eduard Trier, Zeichner des XX. Jahrhunderts, Berlin 1956, S. 64 Gutekunst & Klipstein, Bern, 1950, Lagerkatalog 47, Nr. 7 Uwe Schneede, Käthe Kollwitz, Das zeichnerischeWerk, München 1981, Kat. Nr. 66 Tom Fecht, Käthe Kollwitz, Das farbige Werk, Berlin 1987, Abb. 104 Catherine Krahmer, Käthe Kollwitz, Tenero 1992, S. 101 Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. vonMartin Fritsch, bearbei- tet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler undWer- ner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 44 Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. vonMartin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 68/69 Ausstellungen Düsseldorf 1967, Städtische Kunsthalle/Kunstverein für die Rhein- lande und Westfalen, Kunst des 20. Jahrhunderts aus rheinisch westfälischem Privatbesitz, Malerei, Plastik, Handzeichnungen, Kat. Nr. 189 Stuttgart 1967, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, Die Zeich nerin Käthe Kollwitz, Ausstellung zum 100. Geburtstag, Kat. Nr. 39 Berlin 1967, Akademie der Künste in Verbindungmit den Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett und Natio nalgalerie, Käthe Kollwitz und ihre Zeitgenossen, Ausstellung zum 100. Geburtstag von Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 39 Stellenbosch 1969, Rembrandt van Rijn Foundation, Ernst Barlach – Käthe Kollwitz, Abb. zwischen S. 10 und 11 Berlin 1978, Galerie Pels-Leusden, Käthe Kollwitz, Pastelle, Zeich- nungen, Graphiken und Plastiken aus vier bedeutenden Sammlun- gen und eigenem Besitz, Kat. Nr. 9 Hamburg/Zürich 1980/1981, Kunstverein/Kunsthaus, Käthe Kollwitz, Die Zeichnerin, Kat. Nr. 36 Höchst 1985, Jahrhunderthalle, Käthe Kollwitz, Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderer Sammlungen, Kat. 9 Berlin 1987, Elefanten Press Galerie, Käthe Kollwitz, Das farbige Werk, Kat. Nr. 104 Bergamo 1993, Palazzo della Ragione, Käthe Kollwitz, S. 101 Berlin 1995, Käthe-Kollwitz-Museum, Schmerz und Schuld, Eine motivgeschichtliche Betrachtung, Kat. Nr. 32 Bielefeld 1999, Kunsthalle, Käthe Kollwitz, Das Bild der Frau, S. 110 Bremen 2000, Paula Modersohn-Becker-Museum, Blickwechsel, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker, Kat. Nr. 114 Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 38 Vic-sur-Seille 2012, Musée départemental Georges de La Tour, Käthe Kollwitz, La vérité des sens, Kat. Nr. 61 Berlin 2014, Käthe-Kollwitz-Museum, Mahnung und Verlockung, S. 102 Bis 2014 als Dauerleihgabe im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin Berlin 2021, Galerie Judin, EnriqueMartínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 90 Nachdem sie mit «Ein Weberaufstand» schon einmal ein histori- sches Ereignis in ihrer Kunst aufgegriffen hatte, arbeitete Käthe Kollwitz in den Jahren 1901 bis 1908 an ihrem zweiten Druckzyklus, dem siebenteiligen «Bauernkrieg». Die Künstlerin bearbeitete darin den gewaltsamen Aufstand der Bauern gegen die Unterdrückung undGesetzlosigkeit in den Jahren 1524/1525. Für das liberal-sozia listische Umfeld von Kollwitz bedeutete die vom Historiker und TheologenWilhelmZimmermann verfassteGeschichte des «Gros sen Deutschen Bauernkrieges» keine ferne Vergangenheit, sondern hatte vielmehr aktuelle Relevanz; es ging darum, auf die Probleme des Proletariats aufmerksam zu machen. Wie immer entstanden im Vorfeld der Auflagendrucke viele Zwi- schenzustände: Sogar andere Themen wurden umgesetzt und erprobt, die dann nicht in die Folge aufgenommen wurden. Im sechsten Blatt des Zyklus richtet sich der Blick nicht mehr auf den eigentlichen Kampf, sondern auf dessen Folgen. Der Aufstand ist beendet, die Gewalt vorüber, zurück bleibt das Feld der Toten. Wie bereits imWeberzyklus verzichtet Kollwitz bewusst auf die direkte Darstellung der Kampfhandlungen oder der gegnerischen Kräfte. Stattdessen konzentriert sie sich auf das menschliche Leid und die Trauer der Hinterbliebenen. Bereits 1903 entstanden erste Entwürfe zu diesem Thema. Die Künstlerin entwickelte zuerst das Thema der Pietà als mögliches Motiv (vgl. Knesebeck 77 und Los 910), entschied sich aber schliesslich für eine andere Darstellung (Knesebeck 100). Im Licht einer Laterne entdeckt eine Mutter ihren gefallenen Sohn unter zahllosen Leichen. Gerade diese Konzentration auf den emotiona- len Moment verleiht dem Blatt seine aussergewöhnliche Wirkung. Die vorliegende Zeichnung ist die wohl am besten ausgearbeitete Vorarbeit für das Auflageblatt (vgl. auch Los 912). Eindrücklich ver- steht es die Künstlerin, den Blick der Betrachtenden dem Schein der Laterne folgen zu lassen. Das Blatt fasst die Ereignisse des Zyklus nicht nur zusammen, sondern verdichtet sie zu einer ein- dringlichen Aussage über Krieg, Verlust undmenschliches Leiden. 913 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Schlachtfeld
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