Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026
1901. Farblithografie auf dünnem Japan. 27×20,5 cm, Darstel- lung; 28,5×22,2 cm, Blattgrösse. Atelierspuren, rückseitig Spuren alter Montierungen und in den äussersten Blatträndern alte Res- taurierungen. In sehr schöner Erhaltung. Schätzung CHF 300000 * Werkverzeichnis Alexandra von dem Knesebeck, Käthe Kollwitz, Werkverzeichnis der Graphik, Bern 2002, Bd. 1, Nr. 52/VI, das dort erwähnte und abgebildete Exemplar Provenienz Slg. Walter und Johanna Wolf, Stuttgart und New York, 1955 ver- kauft an Slg. Otto Kallir, New York, verkauft am 7. Februar 1977 an C.G. Boerner, Düsseldorf (über Kennedy Gallery, New York), dort wohl im Dezember 1982 verkauft an Slg. Otto Schäfer, Schweinfurt, rückseitig mit Stempel Lugt 588, versteigert bei Auktion Galerie Kornfeld, Bern, 24. Juni 1992, Los 447, dort erwor- ben von C.G. Boerner, Düsseldorf, dort erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Otto Nagel, Die Selbstbildnisse der Käthe Kollwitz, Berlin 1965, Tafel 29 Jahresbericht Artemis 1994–1995, Luxemburg 1996, Kat. Nr. 14 Brigitte Birnbaum, Tintarolo, Berlin o. J. [1977], S. 6 Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. vonMartin Fritsch, bearbei- tet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler undWer- ner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 30 Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. vonMartin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 54/55 Gudrun Fritsch, Josephine Gabler, Helmut Engel, Käthe Kollwitz, hrsg. von der Ernst Freiberger-Stiftung, Berlin-Brandenburg 2013, S. 28 Ausstellungen New York 1967, Galerie St. Etienne, Käthe Kollwitz, In the Cause of Humanity, Exhibition Arranged to Commemorate the Hundredth Birthday of the Artist, Kat. Nr. 5 New York 1976, Kennedy Galleries, Inc./Galerie St. Etienne, Kat. Nr. 34 Bremen 2000, Paula Modersohn-Becker-Museum, Blickwechsel, Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker, Kat. Nr. 87 Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 26 Köln 2010/2011, Käthe Kollwitz Museum, Paris bezauberte mich – Käthe Kollwitz und die französische Moderne, Abb. 75 Bis 2014 als Dauerleihgabe im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin Berlin 2021, Galerie Judin, EnriqueMartínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 92 Frankfurt am Main 2024, Städel Museum, Kollwitz, Kat. Nr. 7 Das lithografische «Selbstbildnis nach links» von Mitte März 1901 gehört zu den eindringlichen frühen grafischen Selbstporträts von Käthe Kollwitz und markiert eine wichtige Phase innerhalb ihrer künstlerischen Entwicklung. Nach der ersten Farblithografie «Selbstbildnis imProfil nach links» (Knesebeck 44) gehört das vor- liegende Blatt zu den absoluten Raritäten im druckgrafischen Schaffen der Künstlerin. Der Autorin des Werkverzeichnisses wur- den nur neun Abzüge bekannt, von denen sich sieben inMuseums sammlungen befinden. Gerade die Lithografie erwies sich für Kollwitz als ideales Medium der Selbstbeobachtung. Die Technik erlaubte eine unmittelbare, nahezu zeichnerische Arbeitsweise und zugleich subtile tonale Übergänge. Das vorliegende Blatt zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Balance zwischen zeichnerischer Präzision und atmosphärischer Verdichtung aus. Mit feinen Abstufungen von Licht und Schatten modelliert Kollwitz die Gesichtszüge und erreicht eine ausserordentlich plastischeWirkung. Besonders cha- rakteristisch ist die sensible Behandlung der Augenpartie. Bereits in diesem Blatt zeigt sich jene Fähigkeit, mit wenigen formalen Mitteln die grosse emotionale Intensität hervorzurufen, die ihr spä- teres Werk prägen sollte. Um 1900 befindet sich Kollwitz in einer Phase zunehmender künst- lerischer Selbstbehauptung. Nach den Erfolgen ihrer grafischen Zyklen beginnt sie, das Selbstporträt verstärkt als eigenständiges Ausdrucksfeld zu nutzen. Anders als viele Künstlerbildnisse der Jahrhundertwende verzichten ihre Selbstdarstellungen jedoch auf jede Form äusserer Inszenierung. Weder Atelierattribute noch repräsentative Kleidung lenken vom eigentlichen Gegenstand ab. Innerhalb ihres umfangreichen Bestandes an Selbstbildnissen nimmt das angebotene Blatt eine besondere Stellung ein. Es zeigt die Künstlerin an der Schwelle zu jener radikalen Konzentration auf Gesicht und Ausdruck, die ihre späteren Selbstporträts bestimmen wird. Bereits hier wird deutlich, dass Kollwitz im eigenen Antlitz nicht nur das individuelle Selbst sucht, sondern eine allgemein menschliche Erfahrung von Nachdenklichkeit, Verletzlichkeit und innerer Wahrheit sichtbar machen möchte. 914 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Selbstbildnis nach links
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ4OTU=