Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026
Um 1910. Kohle, teilweise gewischt, auf beigem MBM-Bütten. 63,5×48 cm. Unten links von der Künstlerin in Kohle signiert «Käthe Kollwitz». Vereinzelte Reissnagellöcher. Mit minimemLichtrand und vereinzelten Fleckchen imPapier. Rechts ein alt restaurierter Einriss. Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 300000 * Werkverzeichnis Nicht bei Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeich- nungen, Stuttgart 1980, vgl. die Nr. 605. Die Zeichnung ist dem Käthe Kollwitz Museum Köln bekannt und wurde von Hannelore Fischer für die Überarbeitung und Aktuali- sierung desWerkverzeichnisses der Zeichnungen vorläufig als «NT (605a)» erfasst. Provenienz Privatsammlung Schweiz Auktion Lempertz, Köln, 4. Juni 1998, Los 865, dort erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Berliner Museen/Museumsjournal, Berichte aus den Museen Schlössern und Sammlungen in Berlin und Potsdam, 7. Folge, Nr. I, 13. Jahrgang, Januar 1999, S. 28 f. Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. vonMartin Fritsch, bearbei- tet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler undWer- ner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 66 Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. vonMartin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 78/79 Ausstellungen Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 63 Vic-sur-Seille 2012, Musée départemental Georges de La Tour, Käthe Kollwitz, La vérité des sens, Kat. Nr. 33 Bis 2014 als Dauerleihgabe im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin Berlin 2021, Galerie Judin, EnriqueMartínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 97 New York 2024, The Museum of Modern Art, Käthe Kollwitz, S. 152 Die um 1910 entstandene Zeichnung von Käthe Kollwitz gehört zu jener Werkgruppe, die unmittelbar im Zusammenhang mit der schweren Diphtherie-Erkrankung ihres Sohnes Hans steht. Auch in der vorliegenden Zeichnung erscheint dieMutterfigur mit selbst- bildnishaften Merkmalen. Auffällig bleibt jedoch, dass das dar gestellte Kind trotz des autobiografischen Bezugs deutlich jünger wirkt als Hans, der bereits 1892 geboren wurde. Kollwitz verfolgt damit offensichtlich keine realistischeWiedergabe einer konkreten Situation, sondern verdichtet dasMotiv zu einem zeitlosen Sinnbild mütterlichen Schutzes und emotionaler Bindung. Die Komposition besitzt eine grosse innere Geschlossenheit. Mut- ter und Kind liegen eng aneinander geschmiegt, ihre Gesichter berühren sich beinahe schmerzhaft innig. Die eigentliche Bild wirkung entsteht durch die eindringliche Nähe zwischen Mutter und Kind, die das gesamte Blatt dominiert. Dass persönliche Erfahrungen das Werk von Kollwitz massgeblich antrieben, beschreibt auch Jutta Bohnke-Kollwitz, die Enkelin der Künstlerin, in «Käthe Kollwitz. Briefe an den Sohn 1904 bis 1945»: «Wie stark das Kreatürliche sie bestimmte, das Leidenschaftliche, das Symbiotische, das Festhaltenwollen und nicht Loslassen können, die Verteidigung gegen alle Kräfte, die versuchten, die Kinder von ihr fortzureissen, auch das geht aus dem Tagebuch hervor – und aus der künstlerischen Arbeit.» Die Zeichnung zählt zu den bewegendsten Darstellungen ihres grafischenŒuvres. In ihr verbindet Kollwitz persönliche Erfahrung mit einer universellen Aussage über Liebe, Angst, Schutz und die Verletzlichkeit menschlichen Lebens. Sie war eine Vorarbeit zur Radierung «Tod, Frau und Kind», die wohl gleichzeitig im Frühjahr 1910 entstanden ist (vgl. Knesebeck 108, Los 917). Eine eindrück- liche, grossformatige Arbeit. 916 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Tod, Frau und Kind
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