Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026
1922/1923. Kreide auf beigem Velin. 71,7×53,4 cm. Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert «Kollwitz». Vereinzelte Reiss- nagellöcher. ImPapierrand oben und unten alte, hinterlegte Einrisse. Rückseitig Spuren alter Montierungen. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 180000 * Werkverzeichnis Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 966 Provenienz H. Schickman, Delphic Art, New York Auktion Hauswedell & Nolte, Hamburg, 2. Juni 1978, Los 747, dort erworben von Galerie Pels-Leusden, Berlin, dort 1983 erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Katalog Galerie Pels-Leusden, Berlin 1978, Kat. Nr. 25 Uwe Schneede, Käthe Kollwitz, Das zeichnerischeWerk, München 1981, Kat. Nr. 133 Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. vonMartin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 117 Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. vonMartin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 104/105 Ausstellungen Hamburg/Zürich 1980/81, Kunstverein/Kunsthaus, Käthe Kollwitz, Die Zeichnerin, Kat. Nr. 92 Höchst 1985, Jahrhunderthalle, Käthe Kollwitz, Zeichnungen, Druckgrafik, Skulpturen aus dem Bestand der Galerie Pels-Leusden, Berlin, und anderer Sammlungen, Kat. Nr. 31 Wolfsburg 1992, Kunstverein, Käthe Kollwitz, Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, Zeichnungen, Grafik, Bronzen, Abb. 59 Berlin 1995, Käthe Kollwitz Museum, Käthe Kollwitz, Schmerz und Schuld, Kat. Nr. 136 Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museum of Modern Art/City Museum of Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 94 Vic-sur-Seille 2012, Musée départemental Georges de La Tour, Käthe Kollwitz, La vérité des sens, Kat. Nr. 70 Bis 2014 als Dauerleihgabe im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin Berlin 2021, Galerie Judin, EnriqueMartínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 75 Die Zeichnung gehört zu einer Gruppe eindringlicher Arbeiten von Käthe Kollwitz, in denen sich der Tod und eine menschliche Figur in einer schräg aufwärts gerichteten Bewegung miteinander ver- binden. Diese Kompositionen entstanden im Jahr 1923 in einer Phase intensiver persönlicher Erinnerung und innerer Auseinan- dersetzung. Immer wieder kreiste Kollwitz in diesen Jahren um die Erfahrung des Verlustes ihres Sohnes Peter, der imErstenWeltkrieg getötet wurde, und dessen Tod ihr Werk dauerhaft prägen sollte. Besonders auffällig ist die schwebende Bewegung der Figuren, die den Darstellungen etwas Zwischenweltliches verleiht. Der Tod erscheint dabei nicht als gewaltsame oder erschreckende Macht, sondern eher als geheimnisvoller Begleiter, der die menschliche Gestalt mit sich trägt oder sanft aus der irdischen Welt herauslöst. Die diagonale Komposition verstärkt den Eindruck des Entrückt- seins und erzeugt zugleich eine stille, beinahe visionäre Dynamik. Gerade diese Verbindung von Bewegung und emotionaler Kon- zentration verleiht den Arbeiten eine aussergewöhnliche Aus- druckskraft. Die Entstehung der Zeichnungen fällt in die Zeit umPeters Geburts- tag imFebruar 1923. In ihren Tagebüchern notierte Kollwitz damals: «Peters Geburtstag liegt in dieser Zeit. Ich arbeite an dem Tage an Entwürfen für das Einleitungsblatt zum Propyläenwerk ‹Tod und Abschied›. Peter war wieder bei mir.» Der Eintrag macht deutlich, wie eng die Arbeiten mit der persönlichen Erinnerung an den ver- lorenen Sohn verbunden sind. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die vom Tod getragenen oder begleiteten Figuren in diesen Entwürfen auf Peter verweisen. Formal zeigen die Zeichnungen jene zunehmende Verdichtung, die das Spätwerk von Kollwitz prägt. Die Figuren lösen sich teilweise aus dem Raum, wirken schemenhaft und die gesamte Aufmerk- samkeit konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Tod und Mensch. Dadurch entstehen Bilder von grosser emotionaler Inten- sität, in denen persönlicher Schmerz, Erinnerung und die Ausei nandersetzungmit der Vergänglichkeit eine universelle Bildsprache finden. 918 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Tod und Jüngling
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