Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026
923 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Selbstbildnis 1924. Holzschnitt, überarbeitet mit Deckweiss, unter dem Holz- schnitt Partien in Aquarell auf festem, beigem Japan. 40×30 cm, Druckstock; 43,8×35,2 cm, Blattgrösse. Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert «Käthe Kollwitz», links bezeichnet «4». Vereinzelte Reissnagellöcher. Rückseitig Spuren alter Montierun- gen. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 100000 * Werkverzeichnis Alexandra von dem Knesebeck, Käthe Kollwitz, Werkverzeichnis der Graphik, Bern 2002, Bd. 2, Nr. 203/IV (v. VI/b), eines der dort erwähnten Exemplare Provenienz Slg. Dr. Heinrich Becker, Bielefeld, durch Erbschaft an Privatsammlung Deutschland, versteigert bei Auktion Irene Lehr Kunstauktionen, Berlin, 27. April 2024, Los 225, dort erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Obwohl sich Käthe Kollwitz lediglich während eines vergleichs- weise kurzen Zeitraums – etwa zwischen 1920 und 1929 – intensiv mit dem Holzschnitt beschäftigt, greift sie auch in dieser Technik wiederholt das Motiv des Selbstporträts auf. In ihrem Tagebuch hält sie am 14. Mai 1924 fest: «Ich arbeite Kleinigkeiten für Verleger. Die Begrüssung Elisabeths undMarias und das Selbstbildmit hoch- gehobener Hand. Beides Holzschnitte.» Während der Arbeit am Holzstock verändert die Künstlerin die Komposition mehrfach grundlegend. Im hier gezeigten vierten Zustand erscheint das Selbstbildnis als Dreiviertelfigur. Die Haltung vermittelt den Eindruck einer spontanen Bewegung: Der Kopf scheint sich gerade zur Seite gewandt zu haben, während die linke Hand noch in ihrer vorherigen Position verharrt, möglicherweise den Kopf stützend. Die rechte Hand ruht ruhig auf dem Knie. Von dieser frühen Fassung haben sich lediglich zwei Abzüge erhalten. Wie so oft experimentierte die Künstlerin mit Deckweiss und Tusche, um die Wirkung von Eingriffen in den Druckstock zu simu- lieren. Das vorliegende Blatt zeigt dieses Vorgehen mit Deckweiss sehr schön auf. In einem späteren Arbeitsschritt kürzte Kollwitz den ursprünglich etwa 40 Zentimeter hohen Holzstock um die Hälfte. Durch diese radikale Verdichtung konzentrierte sich die Darstellung mehr auf das Gesicht. Die Reduktion der Figur steigerte die eindrückliche Präsenz des Selbstbildnisses und verleiht demAusdruck eine ein- dringliche Intensität. Den verkleinerten Holzschnitt verwendete sie für das Mappenwerk «Die Schaffenden», V. Jahrgang, 1. Lieferung. Von den Zuständen I-IV von dem unbeschnittenen Druckstock existieren insgesamt acht bekannte Abzüge, davon befinden sich die meisten in Museumssammlungen.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ4OTU=