Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026
Um 1938(?). Kohle und Kreide auf grau-braunem Karton. 32,1×47,8 cm. Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert «Käthe Kollwitz». Unregelmässiger Kartonrand. Vereinzelte Fleckchen im Karton. Rückseitig Spuren alter Montie- rungen. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 100000 * Werkverzeichnis Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 1277 Provenienz Nachlass Käthe Kollwitz, dort 1990 erworben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Catherine Krahmer, Käthe Kollwitz, Tenero 1992, S. 259 Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz- Museum Berlin, hrsg. von Martin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 160 Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. vonMartin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 132 Ausstellungen Hannover/Regensburg 1990, Wilhelm-Busch-Museum/Kunstforum Ostdeut- sche Galerie, Käthe Kollwitz, Druckgraphik, Handzeichnungen, Plastik, Kat. Nr. 218 Wolfsburg 1992, Kunstverein, Käthe Kollwitz, Zeichnungen Grafik, Bronzen, S. 89 Bergamo 1993, Palazzo della Ragione, Käthe Kollwitz, S. 259 Wiesloch 1995, Kunstkreis Südliche Bergstrasse-Kraichgau e. V., Kulturhaus, Käthe Kollwitz, Meisterwerke aus dem Käthe-Kollwitz-Museum Berlin, S. 179 Ibaraki/Niigata/Himeji/Kumamoto/Machida 2005/2006, Tsukuba Museum of Art/Prefectural Museumof Modern Art/CityMuseumof Art/Prefectural Museum of Art/City Museum of Graphic Arts, Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 165 Berlin 2021, Galerie Judin, Enrique Martínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 75 Das späte Selbstbildnis von 1938 ist eines der letzten Selbstportraits der Künst- lerin überhaupt. Entstanden in einer Zeit persönlicher Erschöpfung, politischen Drucks und gesellschaftlicher Isolation, verdichtet das Blatt auf eindrucksvolle Weise Alter, Lebenserfahrung und innere Bedrohung zu einemaussergewöhn- lich konzentrierten Selbstbild. Als Kollwitz dieses Selbstportrait schafft, steht sie bereits seit Jahren unter der Repression des nationalsozialistischen Regimes. Aufgrund ihrer pazifistischen Haltung, ihres sozialen Engagements und ihrer Nähe zu humanistischen und sozialkritischen Positionen wird sie nach 1933 zunehmend ausgegrenzt. Am 15. Februar 1933 wird Käthe Kollwitz zum Austritt aus der Preussischen Akademie der Künste gezwungen; ihre Werke werden aus öffentlichen Sammlungen entfernt, Ausstellungen verhindert und ihre künstlerischenMöglichkeiten stark eingeschränkt. Ihre Kunst gehört nicht zu jener heroischen und ideologisch kontrollierten Bildsprache, welche die Nationalsozialisten propagieren. Die Buchhandlung Karl Buchholz traute sich 1937 trotz Ausstellungsverbot einzelne Werke ausgewählten Besuchern in einemRaumüber demLadengeschäft hinter einemVorhang zu zeigen. Kollwitz schreibt dazu in einemBrief an Beate Bonus-Jeep: «Vor allemaber, er hat keine Angst, sich durch die Ausstellung zu schaden.» Formal ist das Blatt von grosser Reduktion geprägt. Die Augen sind geschlos- sen, mit wenigen Linien, Wischungen und starken Hell-Dunkel-Kontrasten gelingt es der Künstlerin, eine aussergewöhnliche emotionale Dichte zu erzeu- gen. Die Zeichnung steht in Zusammenhang mit der Lithografie «Selbstbildnis imProfil nach rechts» (Knesebeck 273). Kollwitz widmet dabei ihremOhr beson- dere Aufmerksamkeit. Das Selbstportrait wirkt weniger wie eine äussere Beschreibung als vielmehr wie ein inneres Bild von Erfahrung, Verlust und duldsamer Standhaftigkeit. 930 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Selbstbildnis
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