Auktion 290: Freundschaften - Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 11.9.2026
Mit Sam Francis im Atelier an der Laupenstrasse 49, 1966. Kornfeld Fotoarchiv Mit Alberto Giacometti an der Herrengasse 23, 1965. Foto Kurt Blum Nach mehreren Jahren Militärdienst wäh- rend des ZweitenWeltkriegs begann Eber- hardW. Kornfeld 1945 zunächst als Volon- tär in der Berner Kunsthandlung von August Klipstein. Später wurde er – wie er selbst augenzwinkernd zu bemerken pflegte – zu einer Art «Mini-Partner». Sein Schwerpunkt lag zunächst auf der Druck- grafik Alter Meister sowie auf der Druck- kunst der klassischen Moderne. Als der Kunsthistoriker Arnold Rüdlinger jedoch 1946 die Leitung der Kunsthalle Bern über- nahm und dort ein ambitioniertes Pro- gramm mit aktueller Kunst aus Paris und den USA etablierte, kam schnell die zeit- genössische Kunst dazu. Rüdlinger, der mit Jahrgang 1919 nur wenig älter als Kornfeld war, entwickelte sich zu einem wichtigen Wegbegleiter und Vermittler. Er eröffnete Kornfeld den Zugang zu Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart, die diesem bis dahin weitgehend unbekannt gewesen waren. Kornfeldwurde Teil dieser von Rüd- linger geprägten Szene und begann bald auch selbst, in den Räumen seiner Galerie Ausstellungen zeitgenössischer Kunst- schaffender zu organisieren. In der Kunsthalle Bern begegnete Kornfeld 1948 erstmals dem aus dem Bergell stam- menden Bildhauer undMaler Alberto Gia- cometti, der gut zwanzig Jahre älter war als er. Aus dieser ersten Begegnung ent- wickelte sich eine enge und langjährige Beziehung. Kornfeld besuchte Giacometti regelmässig in Paris sowie während des- sen Aufenthalten in Stampa oder Maloja. Er hatte das Privileg, wiederholt direkt im Atelier Werke erwerben zu können, aller- dings ausschliesslich Zeichnungen und Druckgrafiken. Ausdruck der gegenseiti- gen Wertschätzung sind fünf Bleistift- zeichnungen, die Giacometti 1959 von Kornfeld anfertigte. Vier davon gelangten in die Sammlung Kornfeld, eine behielt der Künstler selbst. Aus der Freundschaft ent- stand zudemdie Idee einer Ausstellung bei Klipstein & Kornfeld, die im Sommer 1959 realisiert wurde. Für den Umschlag des Ausstellungskatalogs verwendeteman die Titelseite des «Figaro Littéraire» vom 11. April 1959, die Giacometti während eines Caféaufenthalts in Paris mit Kugel- schreiberzeichnungen versehen hatte – eine jener spontanen zeichnerischen Interventionen, die typisch für ihn waren (vgl. Los 28). Bereits früh lernte Kornfeld in Albertos Ate- lier dessen Bruder Diego Giacometti ken- nen. Dieser war zunächst als Atelierassis- tent tätig und diente Alberto zugleich als wichtigstes Modell. Erst nach dem Tod seines Bruders im Jahr 1966 entwickelte Diego seine eigene künstlerische Sprache vollends und setzte seine Möbelentwürfe zunehmend unabhängig um. Auch zu Diego pflegte Kornfeld eine enge Bezie- hung. Er besuchte ihn regelmässig in Paris, ass mit ihm im Stammlokal «Clos du Mou- lin» zu Abend und erwarb über viele Jahre hinweg Werke und Objekte für den priva- ten Gebrauch: zunächst für seine Woh- nung in der Berner Altstadt, später für das Ferienhaus in Randogne und schliesslich für das Rothaus in Bolligen. Im Rahmen der Ausstellung «Tendances actuelles de l’École de Paris III» zeigte Rüdlinger 1955 erstmals Werke von Sam Francis in der Kunsthalle Bern. Bereits ein Jahr zuvor hatte er Francis Kornfeld in Paris vorgestellt. Es entwickelte sich rasch eine enge Freundschaft. 1957 richtete Kornfeld Sam Francis die erste Einzelausstellung aus, zahlreiche weitere sollten folgen. Kornfeldwurde zumwichtigstenGaleristen des amerikanischen Künstlers in Europa und trug entscheidend zu dessen inter- nationaler Karriere bei. Sam Francis war zugleich einer der engsten persönlichen Freunde Kornfelds innerhalb der Kunst- welt. So wurde Francis Patenonkel von Kornfelds Tochter Patricia, zudem unter- Freundschaften – Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld
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