Auktion 290: Freundschaften - Amitiés Werke aus der Sammlung Eberhard W. Kornfeld 11.9.2026

English version Vorbereitung zum «St. Barbara-Schiessen». Auf dem Bild von links Eberhard W. Kornfeld, Bernhard Luginbühl, Jean Tinguely, Ursi Luginbühl mit den Luginbühl-Kindern. Foto Leonardo Bezzola Mit Niki de Saint Phalle in den Räumen der Laupenstrasse 41, 1995. Foto Edouard Rieben stand, das druckgrafischeŒuvre Picassos systematisch zu inventarisieren. Dieses bedeutende Projekt fand seinenAbschluss in der zwischen 1986 und 1996 im Verlag Kornfeld erschienenen siebenbändigen Publikation «Picasso peintre-graveur», die bis heute als Standardwerk für die Grafik des Meisters gilt. Einen seiner ältesten Künstlerfreunde lernte Kornfeld bereits während der letzten Wochen seiner Aktivdienstzeit kennen: denMitrailleur Jean Tinguely. Aus der mili- tärischen Kameradschaft entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Kornfeld wurde sogar Mitglied der legendären Bas- ler Fastnachtsclique «Kuttlebutzer», für die Tinguely immer wieder spektakuläre Requisiten und Kostüme schuf (vgl. Kata- log 292, Stadtindianer). Tinguely stellte Kornfeld zudemdie Künstler der Nouveaux Réalistes vor. So gehörten auch Tinguelys Ehefrau Niki de Saint Phalle sowie Bern- hard Luginbühl zu Kornfelds engem Kreis. Beide stellten regelmässig in seiner Gale- rie aus. Ein Höhepunkt dieser Freund- schaften war das Happening «St. Barbara Schiessen», das Tinguely gemeinsam mit der Familie Luginbühl am 4. Dezember 1972 auf dem Gelände der Galerie veran- staltete. Dabei wurden 27 selbst konstru- ierte Kanonen in den Berner Himmel abge- feuert. Die enge Verbundenheit mit Tinguely und Niki de Saint Phalle wirkte sogar über deren Tod hinaus: Kornfeld wurde mit der Inventarisierung beider Nachlässe betraut. Kornfeld pflegte jedoch nicht nur Kontakte zu internationalen Künstlern; er war auch tief in der regionalen und lokalen Kunst- szene verankert. Mit zahlreichen Kunst- schaffenden verband ihn eine enge Freundschaft. Regelmässig zeigte er in seiner Galerie Werke etwa von Kurt Blum, Hansjürg Brunner, Franz Fedier, Hans Fischer, Egbert Moehsnang, André Thom- kins oder Otto Tschumi. Später kamen Künstlerinnen und Künstler wie Franz Gertsch, Alois Lichtsteiner, Rolf Iseli, Daniel de Quervain oder Teruko Yokoi hinzu. Neben seiner Tätigkeit als Galerist, in deren Rahmen weit über 200 Ausstellun- gen realisiert wurden, engagierte sich Kornfeld intensiv als Herausgeber von Druckgrafiken und Editionen. EberhardW. Kornfeldwar ein leidenschaft- licher Förderer der Kunst und ein grosser Menschenfreund. Während seiner lang- jährigen Tätigkeit als Präsident des Kunst- handelsverbands der Schweiz von 1959 bis 1996 setzte er sich nachhaltig für die Anliegen des Kunstschaffens und des Kunsthandels ein. Er begegnete Künstler­ innen und Künstlern stets mit grosser Wert- schätzung und unterstützte viele von ihnen durch Ankäufe, die er direkt in deren Ate- liers oder auf Ausstellungen tätigte. Korn- feld war sich stets bewusst, dass der Kunsthandel letztlich nur dank der Kreati- vität und des Schaffens dieser ausserge- wöhnlichen Persönlichkeiten möglich ist. Dieser Spezialkatalog ist den zahlreichen Freundschaften gewidmet, die Eberhard W. Kornfeld im Verlauf seines Lebens mit Künstlerinnen und Künstlern verband – engen wie loseren, lokalen wie internatio- nalen. Die hier versammelten Werke hin- gen oder standen in seinen privaten Räumen und zeugen von seinem persön- lichen Interesse, seiner Sammelleiden- schaft und seiner tiefen Verbundenheit mit den Kunstschaffenden seiner Zeit. Die meisten Werke wurden direkt in den Ate- liers oder anlässlich von Ausstellungen erworben. Wir danken der Familie Kornfeld einmal mehr herzlich für das grosse Vertrauen in unser Haus, das Ebi während mehr als siebzig Jahren entscheidend geprägt hat.

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ4OTU=