Auktion 292: Kunst aus sechs Jahrhunderten 10.9.2026

207 Albert Anker 1831 Ins 1910 Bildnis einer jungen Frau 1863. Öl auf Leinwand. 46,5×38 cm. Unten rechts vom Künstler signiert und datiert «Anker/1863». Doubliert. Kleine Restaurierungen und Über- malungen vor allem oberhalb des rechten Auges der Dargestellten. Insgesamt in guter Erhaltung. Schätzung CHF 40000 Werkverzeichnis  Sandor Kuthy/Therese Bhattacharya-Stettler, Albert Anker, Werkkatalog der Gemälde und Ölstudien, Basel 1995, Nr. 75. Provenienz  Slg. Alexandre-Auguste Hirsch, Paris. Privatsammlung Zürich (1984). Auktion Galerie Jürg Stuker, Bern, 22. November 1991, Los 3008. Privatsammlung Schweiz. Albert Anker verbrachte denWinter 1854 erstmals in Paris. Ab 1865 hielt er sich regelmässig mit seiner Familie während der Wintermonate in der französischenMetropole auf. In der lebendigen Pariser Kunstszene ent- standen nicht nur jene Werke, die seinen Ruf als herausragender Ver- treter des Bauernrealismus begründeten, sondern auch seine Porträts der bürgerlichen Noblesse. Diese Salonbildnisse zeigen stilistische Parallelen zu zeitgenössischenMalern wie ÉdouardManet und verdeut- lichen Ankers Offenheit gegenüber internationalen Kunstrichtungen. Zu Beginn seiner Laufbahn als Künstler besuchte Anker die Malschule des Waadtländer Malers Charles Gleyre (1806–1874), der später zahlreiche bedeutende Vertreter des französischen Impressionismus, darunter Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir, unterrichtete. Enge Verbin- dungen bestanden zudem zumMaler Alexandre-Auguste Hirsch (1833– 1912), dem ehemaligen Besitzer des vorliegenden Frauenporträts und langjährigen Freund Ankers. Obwohl Anker heute vor allem für seine Darstellungen von Kindern und älterenMenschen aus seinemHeimatdorf Ins bekannt ist, umfasst sein Œuvre ebenso eine Vielzahl Porträts des gehobenen Bürgertums sowie Bildnisse anonymer Modelle. Das vorlie- gende Bildnis entstand wohl unter dem Eindruck der Italienreise, die Albert Anker imHerbst 1861 gemeinsammit seinemStudienfreund, dem elsässischen Maler François Ehrmann (1833–1910), unternahm. Unser Frauenkopf offenbart eindrücklich die besondere Qualität von Ankers Porträtkunst. Mit Sensibilität und sorgfältiger Beobachtungsgabe erfasst der Berner Maler die Individualität seines Modells. Das leicht herabgerutschte Oberteil des Kleides legt die rechte Schulter der Dar- gestellten frei und verleiht der Komposition eine subtile Koketterie. Zugleich strahlt die natürliche und ungezwungene Haltung der jungen Frau eine stille Intimität aus.

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