Auktion 292: Kunst aus sechs Jahrhunderten 10.9.2026

354 Ernst Ludwig Kirchner und Lise Gujer Aschaffenburg 1880–1938 Davos und Zürich 1893–1967 Davos-Sertig Drei Tänzerinnen 1928–1930, neue Fassung nach 1952. Leinwandbindung; Wirkerei mit doppelter Verschlingung. 164,5×91,5 cm. Kette: Stängelfaser, Zwirn S, weisslich. Dichte 5 Fäden/cm. Schuss: Wolle, Spinnrichtung nicht bestimmt, verschiedene Farben, Dichte 11–13 Fäden/cm. Rückseitig heller Stoff. In sehr guter Erhaltung. Schätzung CHF 25000 Werkverzeichnis  Kornfeld 20/B. Provenienz  Slg. Lise Gujer, Davos Sertig, in den 1950er-Jahren direkt erworben von Privatsammlung Davos. Privatsammlung Schweiz. Literatur  Beat Stutzer, Bildteppiche von Ernst Ludwig Kirchner und Lise Gujer, Ein Werkkatalog der Entwürfe, Kat. 16/1–2. Ausstellung  Chur/Berlin 2024/2025, Bündner Kunstmuseum/Brücke- Museum, Lise Gujer, Eine neue Art zu malen, Im Dialog mit Ernst Ludwig Kirchner, S. 85. Der vorliegende Wandbehang «Drei Tänzerinnen» fällt in die zweite Werkphase von Lise Gujer. In der ersten Werkphase von 1922 bis 1938 entstehen Arbeiten, die Gujer in engem Austausch mit Kirchner nach seinen Vorzeichnungen ausführt. Diese produktive Partnerschaft dauert bis zum Tod des Künstlers an und bringt über dreissig textile Motive hervor. Nach 1952 nimmt Lise Gujer die Arbeit an denWirkereien wieder auf, zum einen angeregt durch Hans Bolliger, zum anderen durch eine wachsende Nachfrage an Bildteppichen. So entstehen in dieser zweiten Werkphase von 1952 bis 1965 teilweisemehrere Versionen einer Vorlage, die sich aber in Details von Wirkerei zu Wirkerei leicht unterscheiden. Von den «Drei Tänzerinnen» sind Kornfeld zwei Exemplare nach 1952 bekannt geworden, das vorliegende eingeschlossen. Er vermutete ins­ gesamt drei. Das Exemplar der frühen Fassung wurde von Kirchner am Stall desWildbodenhauses fotografisch festgehalten, nachgewiesen ist es bis heute nicht. Dieses Wirkerei-Motiv taucht auch im Hintergrund des Kirchner-Gemäldes «Bildnis AnnaMüller» (Gordon 864) auf. Schöne Arbeit, harmonisch in Farbgebung und Komposition.

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