Auktion 294: Käthe Kollwitz - Meisterwerke aus der Sammlung Gudrun und Martin Fritsch 10.9.2026
1922/1923. Tusche, Kohle und weisse Kreide auf Papier. 46,5×49,1 cm, Darstellung; 81,5×53 cm, Blattgrösse. Unten rechts von der Künstlerin in Bleistift signiert «Käthe Kollwitz», darunter vermutlich von der Künstlerin in Kohle bezeichnet «Die Über lebenden». Mit vereinzelten Reissnagellöchern. Das Papier unten gefaltet, mit vereinzelten Falten. Links eine alt restaurierte Stelle imBlattrand, in der Faltung unten ein Papierverlust. Minimer Licht- rand. Rückseitig Spuren alter Montierungen. Schätzung CHF 250000 * Werkverzeichnis Otto Nagel/Werner Timm, Käthe Kollwitz, Die Handzeichnungen, Stuttgart 1980, Nr. 981 Provenienz Slg. Julius Freund, Berlin, durch Erbschaft an Slg. Gisèle Freund, Buenos Aires, versteigert bei Auktion Fischer, Luzern, 21. März 1942, Los 152, dort erworben von Privatsammlung Zürich, versteigert bei Auktion Germann, Zürich, 12. November 1996, Los 48, dort erwor- ben von Slg. Gudrun und Martin Fritsch, Berlin Literatur Louise Diel, Käthe Kollwitz, Mutter und Kind, Berlin 1928, S. 13 Fritz Schmalenbach (Hrsg.), Käthe Kollwitz, DreiundachtzigWieder gaben, Zürich 1949, Tafel 61 Käthe Kollwitz, Zeichnung, Grafik, Plastik, Bestandskatalog des Käthe-Kollwitz-Museums Berlin, hrsg. vonMartin Fritsch, bearbeitet von Annette Seeler, mit Beiträgen von Annette Seeler und Werner Timm, Leipzig 1999, Kat. Nr. 114 Hommage an Käthe Kollwitz, hrsg. vonMartin Fritsch, mit Beiträgen von Annette Seeler und Gudrun Fritsch, Leipzig 2005, S. 102/103 Ausstellung Bern 1946, Kunstmuseum, Gedächtnisausstellung Käthe Kollwitz, Kat. Nr. 153 Berlin 2021, Galerie Judin, EnriqueMartínez Celaya, Käthe Kollwitz, Von den ersten und letzten Dingen, Kat. Nr. 58 Käthe Kollwitz schreibt im November/Dezember 1922 in ihr Tage- buch: «Jetzt kommen andere graphische Arbeiten, das Plakat gegen den Krieg für den internationalen Gewerkschaftsbund.» Entstanden ist das Plakat «Die Überlebenden – Krieg demKriege!», das zunächst in 1000 Exemplaren mit deutscher, schwedischer, dänischer und holländischer Aufschrift gedruckt wurde (vgl. Knesebeck 197). Die klare, stark reduzierte Formensprache zeigt den Einfluss des Holzschnitts, dem sich Kollwitz seit demEnde des ErstenWeltkriegs intensiv zugewandt hatte. In Holzschnitt entstanden auch die sie- ben Blätter der Folge «Krieg». So erstaunt es nicht, dass sich Kollwitz kompositorisch an einen Holzschnitt anlehnt, als sie das Plakat in Lithografie erarbeitet. Grosse schwarze Flächen, markante Konturen und die Konzentration auf wenige expressive Gesichter verdichten die Aussage des Plakats zu einer unmittelbaren visuel- len Anklage gegen Krieg und soziale Not. Mit dem Titel «Die Überlebenden» verweist Kollwitz nicht nur auf das physische Überleben nach Krieg und Entbehrung, sondern auch auf die seelischen Folgen der Katastrophe. Die Kinder erscheinen als verletzte und zugleich hoffnungstragende Gene- ration einer zerstörten Nachkriegswelt. Kollwitz schrieb in einem Brief an Beate Bonus-Jeep, was sie zeigen wollte: «Eltern, Witwen, Blinde, um sie herum die Kinder mit ihren angstvoll fragenden, rat- losen Augen und den blassen Gesichtern.» Kollwitz arbeitete an mehreren Vorstudien. Die hier angebotene, grosse Tuschemalerei nimmt die spätere Plakatkomposition in grossen Teilen vorweg. Im Plakat werden die Hände der Mutter stärker ausgearbeitet, und die Kinder, die rechts und links der Mutter nur angedeutet sind, nehmen einen wichtigeren Platz ein. «Die Überlebenden» verbindet soziale Anklage, humanistische Haltung und pazifistische Botschaft auf eindringliche Weise und zählt zu den wichtigsten pazifistisch- politischen Arbeiten der Künstlerin. Es wurde eine gütliche Einigung mit den Nachkommen von Julius Freund getroffen. Die Zeichnung ist frei von jeglichen Ansprüchen und kann ohne Einschränkungen verkauft werden. 922 Käthe Kollwitz Königsberg 1867–1945 Moritzburg Die Überlebenden
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